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Merken   Drucken   22.01.2012, 20:54 Schriftgröße: AAA

Unglück der "Costa Concordia": Kapitän Schettino schiebt Mitschuld auf Reederei

Der schwer belastete Kommandant des vor Giglio havarierten Schiffes behauptet, die Reederei habe ihn zum nahen Vorbeifahren an der Insel aufgefordert. Bergungskräfte bergen ein 13. Todesopfer.
Der Kapitän der "Costa Concordia" hat der Reederei eine Mitschuld an der Havarie des Kreuzfahrtschiffes gegeben. Francesco Schettino sagte nach Angaben italienischer Medien vor den Behörden aus, er habe aus Werbezwecken an die Insel Giglio heranfahren müssen. "Wir müssen gesehen werden", habe ihn die Reederei Costa Crociere aufgefordert. "Machen Sie Werbung und grüßen Sie die Insel."
Das mit 114.500 Tonnen bemessene Schiff war mit mehr als 4200 Menschen an Bord am vergangenen Freitagabend vor der Insel auf einen Felsen gelaufen und liegt seitdem teilweise überflutet auf einer Schiffseite auf Grund. Bei dem Unglück waren mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 20 Personen, darunter mehrere Deutsche, werden vermisst. Als Schuldigen haben die italienischen Behörden den Kapitän identifiziert, gegen den Haftbefehl wegen fahrlässiger Tötung erlassen wurde.
Bergungsarbeiten Die Taucher der "Concordia"
Vor der Untersuchungsrichterin habe Schettino den italienischen Medien zufolge vergangene Woche gesagt, Manöver dieser Art habe es bereits "vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt" gegeben. Der Präsident der Reederei, Pier Luigi Foschi, sagte der "Süddeutschen Zeitung", ein Schiff dürfe sich natürlich der Küste nähern - solange die Sicherheitsbestimmungen eingehalten würden. "Das gehört zur Schifffahrt mit Touristen, wo den Fahrgästen auch ein Spektakel geboten werden soll. Aber es ist verboten, der Küste zu nahe zu kommen." Den Passagieren der "Costa Concordia" sei mitgeteilt worden, dass Giglio an dem Abend in einer Entfernung von fünf Meilen (rund acht Kilometer) gesehen werden könne.
Über Schettino sagte Foschi, dieser habe zwar als autoritär und eher schwierig gegolten. "Aber das besagt nichts bei der Beurteilung der Fähigkeiten als Kapitän." Schettino habe seit 2006 den Posten innegehabt und sei nie in einen Unfall verwickelt gewesen.
Im Anschluss an seine Aussage war Schettino aus der Haft in den Hausarrest entlassen worden. Gegen die Entlassung will die Staatsanwaltschaft Grosseto Rekurs einlegen und hofft auf die Daten und die aufgezeichneten Gespräche der in den vergangenen Tagen gefundenen Blackbox in dem vor Giglio leckgeschlagenen Schiff. Diese Hoffnung zerstreute Schettino schon in seiner Aussage vor Gericht. "Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert."
Zugleich rechtfertigte der Kapitän, den Notruf an die Küstenwache mehr als eine Stunde verzögert zu haben: "Aber wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich wollte weder Passagieren ins Meer schicken noch Panik verbreiten, und es hätte unnötig Tote gegeben."
Nach dem Kreuzfahrtunglück in Italien ist der Polizei zufolge ein deutsches Opfer identifiziert worden. Von acht bisher identifizierten Leichen stamme eine aus Deutschland, sagte ein Carabinieri-Offizier am Sonntag auf der toskanischen Insel Giglio. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte diese Information am Sonntag nicht bestätigen. Rettungskräfte fanden am Sonntag das 13. Todesopfer des Schiffsunglücks. Laut der Nachrichtenagentur Ansa wurde eine Frau im Bereich des Hecks der havarierten "Costa Concordia" entdeckt. Taucher sollen die Leiche gegen 15.20 Uhr auf Deck sieben gefunden haben.

Teil 2: In der Nacht Zentimeter um Zentimeter abgerutscht

  • FTD.de, 22.01.2012
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