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Merken   Drucken   02.04.2011, 12:02 Schriftgröße: AAA

Angebliche Koran-Verbrennung: Afghanen töten bis zu 20 Mitarbeiter der Uno

Die Wut über eine Koranverbrennung in den USA flaut nicht ab. Anfangs friedliche Proteste schlugen in Gewalt um: Zahlreiche Uno-Mitarbeiter und Demonstranten kamen in Afghanistan ums Leben. Auch bei einem Selbstmordattentat auf eine US-Basis in Kabul gab es Tote.
Bei neuerlichen Protesten gegen eine Koranverbrennung in den USA sind in Afghanistan am Samstag vier Menschen getötet worden. Die Menschen seien bei einer Demonstration im südafghanischen Kandahar erschlagen oder durch Steinwürfe tödlich getroffen worden, wurde offiziell mitgeteilt. Etwa 150 "Tod Amerika" rufende Männer zogen durch die Straßen der geistlichen Hochburg der Taliban, zündeten Reifen an, warfen Schaufensterscheiben ein und griffen einen Fotografen an. Die Polizei hielt andere Journalisten von der wütenden Menge fern.
Angriff auf Alliierten-Stützpunkt in Kabul
Ein Stützpunkt der westlichen Allianz in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am selben Tag von Aufständischen angegriffen worden. Mindestens zwei der Angreifer seien getötet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Nato.
Drei als Frauen verkleidete Selbstmordattentäter hatten versucht, in eine US-Basis in einem östlichen Randbezirk der afghanischen Hauptstadt Kabul einzudringen. Sie hätten mit Granaten und Handfeuerwaffen um sich geschossen, seien von Sicherheitskräften aber am Vordringen gehindert worden, teilte die Polizei mit. Zwei hätten ihre Sprengladungen gezündet, der dritte und der Fahrer der Gruppe seien erschossen worden. Nach Angaben eines Sprechers der internationalen Afghanistan Schutz-Truppe Isaf wurden bei dem Angriff drei Soldaten verletzt.
Eine geplante Koran-Verbrennung in den USA erzürnte Afghanistan   Eine geplante Koran-Verbrennung in den USA erzürnte Afghanistan
20 Tote nach Protesten gegen Koran-Verbrennung
Am Freitag hatten in Masar-i-Scharif rund 2000 Menschen bis zu 20 Uno-Mitarbeiter getötet. Darunter mindesten sieben ausländische Uno-Mitarbeiter und fünf Demonstranten. Zu den Opfern von Masar-i-Scharif gehören eine Norwegerin und ein Schwede. Das bestätigten die Regierungen in Oslo und Stockholm am Samstag. Die skandinavischen Opfer waren eine 53- jährige Pilotin aus Norwegen und ein 33 Jahre alter schwedischer Jurist im Einsatz für die Vereinten Nationen.
Die Demonstranten hatten zunächst friedlich vor dem Büro der Vereinten Nationen in der Stadt Masar-i-Scharif demonstriert, teilten die Behörden mit. Später eröffneten einige von ihnen das Feuer auf Polizisten und stürmten das Gebäude. Auch fünf Demonstranten starben bei den Auseinandersetzungen.
Die Täter hätten sich Waffen der Uno-Wachleute gegriffen und auf dem Gelände Feuer gelegt, sagte Behördensprecher Munir Ahmad Farhad. Ein Geschäftsmann aus Masar-i-Scharif sagte, Geistliche hätten am Donnerstag über Lautsprecher in der gesamten Stadt zur Teilnahme an einer friedlichen Protestveranstaltung aufgerufen. Nach dem Freitagsgebet seien Gläubige an die geplante Demonstration erinnert worden.
Afghanistans Präsident verurteilt Koran-Verbrennung
Grund für den Protest waren Berichte, ein Pastor aus dem US-Bundesstaat Florida habe im März eine Ausgabe des Korans verbrannt. Demonstrationen gab es am Freitag außerdem in Herat im Westen Afghanistans, wo Teilnehmer eine amerikanische Flagge verbrannten. Nahe der US-Botschaft in Kabul nahmen etwa 100 Menschen an einer Kundgebung teil.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die mutmaßliche Koran-Verbrennung vergangene Woche als Verbrechen gegen die Religion verurteilt und die USA und die Vereinten Nationen aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag und sagte, die Arbeit der Uno sei unerlässlich, um Afghanistan zu stärken. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich während seiner China-Reise "tief entsetzt" über die gewaltsame Erstürmung des Uno-Büros in Masar-i-Scharif.
US-Prediger Jones weist Schuld von sich
Der radikale amerikanische Prediger Terry Jones hat nach einer von ihm geleiteten Koranverbrennung eine Schuld am Tod der Uno-Mitarbeitern zurückgewiesen. Dafür fühle er sich in keiner Weise verantwortlich, sagte Jones am Freitag der britischen BBC. In einer Erklärung sprach der fundamentalistische Geistliche dem Islam zudem die Friedfertigkeit ab. "Der Islam ist keine Religion des Friedens." Jones hatte am 20. März ein Tribunal gegen den Islam geleitet, bei dem ein Exemplar des Korans verbrannt wurde.
Der 58-jährige Jones hatte bereits im vergangenen Jahr eine Koran-Verbrennung angedroht, davon aber nach internationalen Protesten abgelassen. Die Zahl seiner Anhänger beläuft sich auf einige Dutzend.
  • dapd, 02.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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