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Merken   Drucken   25.04.2012, 14:49 Schriftgröße: AAA

Universitäten: Darf es Harvard oder Princeton sein?

Früher schmückten sich amerikanische Eliteunis mit Chinas Dissidenten, heute studieren hier die Kinder der Reichen und Mächtigen.
von Washington

Wenn Wu Nan über den Campus von Harvard läuft, hört sie oft ein vertrautes Idiom. "Wenn du groß bist und etwas aus dir werden soll, dann musst du hier studieren", ist ein Satz, der häufig fällt. Unter Harvard-Touristen mischen sich immer mehr Familien aus China, die ihre Sprösslinge auf eine Zukunft an einer US-Eliteuniversität einstimmen. "Das zeigt, mit welcher Hartnäckigkeit Chinesen dem amerikanischen Traum folgen", schreibt die Stipendiatin Wu im Blog der chinesischen Zeitschrift "Caixin".

Diesem Traum folgt auch Bo Guagua, der jüngste Sohn des in Ungnade gefallenen kommunistischen Polit-Stars Bo Xilai. Er steht an der Kennedy School of Government in Harvard vor der Master-Prüfung. Nach dem Skandal um seinen Vater meldeten Medien, er sei verschwunden. Laut dem State Department besucht er die Uni aber weiter.

Der Campus der Universität in Princeton   Der Campus der Universität in Princeton

Auch Xi Mingze, die Tochter des künftigen Präsidenten Xi Jinping, soll dort studieren, aber unter anderem Namen. Wer in China Geld und Ambitionen hat, schickt die Kinder zum Studium ins Ausland. In den USA bilden Chinesen längst die größte Gruppe internationaler Studenten. Im Studienjahr 2010/11 waren 157.558 Chinesen an US-Colleges und Unis eingeschrieben, 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für Schlagzeilen sorgen dabei die "Prinzlinge", die Kinder des sogenannten kommunistischen Adels.

Früher stachen noch andere Namen hervor. In den 1990er-Jahren bestand die China-Prominenz aus den Anführern der niedergeschlagenen Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz. Die Studentenführerin Chai Ling erhielt ein Stipendium der Princeton Universität und sattelte einen MBA der Harvard Business School drauf. Auch Wang Dan und Wuer Kaixi, die meistgesuchten Revolten-Führer, bekamen Asyl in den USA und einen Studienplatz in Harvard. Die Dissidenten waren Aushängeschilder für die Universitäten und als Redner und Zeitzeugen im ganzen Land gefragt.

Bo Guagua macht sich auf andere Weise verdient. Nach einem Bericht von Reuters verhalf er seinen Kommilitonen 2011 zu einem hochkarätigen Besuchsprogramm in China: In Peking trafen die Studenten auch Zentralbankchef Zhou Xiaochuan. Bei der Ankunft in Bos Heimat Chongqing wartete die Polizei-Eskorte. Ansonsten machte der 24-Jährige als Partylöwe von sich reden. Zu einem Date mit der Tochter des damaligen US-Botschafters Jon Huntsman fuhr er in Peking mit einem roten Ferrari vor. In Oxford, wo er zuvor Politik, Philosophie und Ökonomie studierte, war er für ein Jahr suspendiert, weil die Leistungen nicht reichten. Er schloss das Studium aber ein Jahr später mit guten Noten ab.

Der Dissident Xu Wenli, der seit 2003 an der Brown University lehrt, kann die Aufregung um Bo Guagua nicht ganz verstehen. Offenkundig sei zwar das fehlende Vertrauen der chinesischen Führung in das eigene Bildungssystem. "Das spiegelt die Krise in der Gesellschaft wieder." Aber den Verdacht, dass die heutigen Studenten geld- und machtverwöhnt seien, weist Xu zurück. Die Mehrheit komme weiter über Stipendien ins Land. "Sie sind arm und fleißig." An der Brown University seien ihm keine Prinzlinge bekannt. Außer vielleicht der Tochter des taiwanischen Präsidenten Ma Ying-jeou. Aber das sei natürlich kein kommunistischer Adel.

  • FTD.de, 25.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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