Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Anzahl der Anzeigen zur Kurzarbeit von August auf September nahezu verdoppelt: Sie stieg von etwa 24.000 auf 47.000. Im Vergleich zur gleichen Zeit im Vorjahr ist das eine immense Steigerung; damals erhöhten sich die Zahlen von 17.000 auf 24.000. Die Unternehmen zeigen Kurzarbeit vorsorglich an, damit sie im Falle des Falles das dafür bereitgestellte Geld bekommen. Ob am Ende tatsächlich so viele Mitarbeiter betroffen sein werden, steht erst in drei bis vier Monaten fest.
Kurzarbeit ist ein Mittel zur Steuerung des Arbeitsmarkts, das sich in den deutschen Krisenjahren bewährt hat. Damit wird die regelmäßige Arbeitszeit in einem Betrieb vorübergehend reduziert, ohne Mitarbeitern zu kündigen; den Verdienstausfall übernehmen zum Teil die Arbeitsagenturen. Momentan können Firmen Kurzarbeitergeld für ein halbes Jahr beantragen; per Verordnung kann das Bundesarbeitsministerium diese Zeit auf zwei Jahre verlängern - und weitere Erleichterungen beschließen.
Der Präsident des Gesamtmetall-Verbands Rainer Dulger hatte der "Bild" gesagt: "Es ist noch keine Krisenstimmung. Doch wenn sich die Lage weiter eintrübt, sollte die Bundesregierung die bewährten Erleichterungen bei der Kurzarbeit rasch wieder einführen dürfen." Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Anette Kramme, sagte der FTD: "Die Bundesregierung sollte nicht einfach auf die Krise warten, sondern vorausschauend handeln." Dagegen sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums auf Anfrage: "Wenn die Notwendigkeit besteht, können die Erleichterungen schnell wieder eingeführt werden." Bislang sei das aber nicht erkennbar.
Allerdings liegen die Nerven in der deutschen Industrie schon jetzt vielerorts blank. In der Stahlbranche wird europaweit kontrovers diskutiert, wie die steigenden Überkapazitäten abgebaut werden können. Auch die Premiumhersteller von deutschen Autos wie Daimler und Porsche klagen über Absatzprobleme. Seit Anfang des Jahres sinkt in der deutschen Wirtschaft zudem die Kapazitätsauslastung. In diesem Herbst fiel sie im verarbeitenden Gewerbe auf das Niveau von 2003, wie Daten des Münchner Forschungsinstituts Ifo zeigen.
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Das Problem: Die deutsche Wirtschaft leidet unter der schwachen Nachfrage aus dem Ausland. Die Euro-Zone steckt in der Rezession, seit einigen Monaten kühlt auch das Wachstum in den globalen Schwellenländern ab, vor allem in Fernost. Wichtige konjunkturelle Frühindikatoren wie das Geschäftsklima oder die Neuaufträge lassen befürchten, dass die Gesamtwirtschaft bis Jahresende allenfalls schwach wächst. Selbst eine milde Rezession scheint in der zweiten Hälfte 2012 in Deutschland möglich. Spüren dürfte das vor allem die Industrie: Fast alle Ökonomen erwarten in den kommenden Monaten eine weiter sinkende Auslastung.
Auch die Guthaben auf den Arbeitszeitkonten, ein wichtiger Puffer für den deutschen Jobmarkt während der schweren Rezession 2009, sinken seit Jahresbeginn. Zudem steigt die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen seit dem Frühjahr - dieser Trend dürfte Fachleuten zufolge anhalten.