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Vollgeldsystem: Chance für eine neue Geldordnung
Kommentar Die Staaten müssen die Geldschöpfung endlich in die eigene Hand nehmen. Die EZB hat den ersten Schritt dazu bereits gemacht.Mark Joob lehrt Wirtschaftswissenschaften an der ungarischen Universität Sopron und ist Forschungsstipendiat der Stiftung Mercator Schweiz.
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat kürzlich entschieden, zusammen mit den nationalen Zentralbanken auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen anzukaufen und so einen Beitrag zu dem durch die EU-Spitzenpolitiker geschnürten Stabilisierungspaket zu leisten. Damit umgehen die Zentralbanken das im EU-Vertrag festgeschriebene Verbot, das sich lediglich auf den "unmittelbaren Erwerb" von staatlichen Schuldtiteln bezieht. Wird der Kauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken jedoch zu einer allgemeinen Praxis, spielt es keine Rolle mehr, ob er direkt bei der Emission oder indirekt auf dem Sekundärmarkt erfolgt, weil dann die Regierungen und anderen Marktakteure mit diesem Eingriff im Voraus rechnen können.
Zu Recht wird deshalb das neue Verhalten der EZB als geldpolitischer Dammbruch empfunden. Die Staatshaushalte werden durch die Zentralbanken kofinanziert. Das lässt Zweifel an deren geldpolitischer Unabhängigkeit aufkommen. Trotz der Beteuerung der EZB, die zusätzlich geschaffene Liquidität vom Markt wieder abzusaugen, geht die Angst um, Regierungen könnten versucht sein, ihre Schulden durch Geldvermehrung und Inflation zu senken.
Spätestens seit der jüngsten Finanzkrise dürfte aber bekannt sein, dass in der gegenwärtigen Geldordnung weniger die Geldpolitik der Zentralbanken, sondern eher die exzessive Kreditvergabe von Geschäftsbanken schuld an einer schwer kontrollierbaren und äußerst riskanten Geldvermehrung ist.
Geschäftsbanken haben bekanntlich eine schier unbegrenzte Möglichkeit, auf dem Weg der Kreditvergabe neues Geld zu schaffen, für das sie von den Schuldnern Zinsen verlangen können: Das wirklich große Geschäft der Banken besteht nämlich nicht darin, die bei ihnen deponierten Kundengelder als Kredite zu vergeben und so eine Zinsdifferenz zu kassieren, sondern darin, neu geschaffenes Geld ohne Deckung auszuleihen und den ganzen Zins einzustreichen.
Teil 2: Die Gewinnmaschine der Banken
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06.06.2010
© 2010 Financial Times Deutschland
Kommentare
- 27.06.2010 17:50:53 Uhr Sabine A.: ÜBERFÄLLIGE ALTERNATIVE!
- 16.06.2010 09:29:29 Uhr I. Klamann: Vollgeld mit Energiedeckung
- 07.06.2010 20:12:44 Uhr wowu: Autor
- 07.06.2010 16:13:43 Uhr Bagman: Ist es wirklich so einfach?
- 07.06.2010 11:04:34 Uhr Michl: Das wird nie so kommen...
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Ein ausgezeichneter Beitrag, der gezielt bei den primären Ursachen aller Finanz- und Wirtschaftskrisen und der Unzähmbarkeit der „Bankenmonster" mit ihrem 2% Eigenkapital ansetzt!
So unorthodox der Ansatz auch anfänglich klingen mag, er verkörpert auf der Seite der Zentralbanken in der Summe aller Handlungen defacto die heutige Wirklichkeit und trifft genau ins Schwarze, und ist sicher mindestens genauso ernsthaft alternativ in die Erwägung zu ziehen, wie die jetzige schmerzbefreite und die Bürger enteignende Vorgehensweise der Zentralbanken, der Staaten und der skrupelbefreiten lobbygeölten Politik!
Wenn seit 1980 die weltweige Geldmenge ums 16-fache durch die einzig deregulierungsbedingten Exzesse stillschweigend aufgebläht wurde vs. gerade 1,6-fache reale Industriesteigerung, dann spricht das eindeutig und unmissverständlich für sich!
Was die wenigen panglobalen Investmentbanken und Versicherungen und deren hörige Politlobbys heutzutage mit uns, der grundsätzlichen Weltordnung und der sozialen Balance der Welt nach der angeblich „wahren“ Lehre der diesen Alternativtheorie und jeglichen Bankbeschränkungen kritisch eingestellten BWL/VWL-Jünger wie selbstverständlich veranstalten und so Hunderte Millionen Bürger in der Welt in lebenslanges unverschuldetes Elend durch Marktmanipulation u.a. bei Rohstoffen, Nahrungsmitteln, Energiepreisen, Geldstabilität, Staatsverschuldung für Bankenrettung, etc. stürzen, das passt erst recht auf keine Kuhhaut mehr drauf und wird beim Verriss der Alternativen gerne skrupellos von den jung-dynamischen "linientreuen Theoretikern" unter den Tisch fallen gelassen!
Insofern etwas mehr Demut und weniger verbretteten Scheuklappen-Hohn für solche ernsthaften Alternativen, denn das hat nichts mit Kommunismus oder altersdementen Verblendung zu tun!
Die Weisheit ist von diesen "Möchtegern Zweitsemester-Koryphäen" mit ihren offensichtlich dauernd vor die Wand der Realität fahrenden etablierten Theorien wirklich nicht gepachtet worden!
ALSO: Recht haben wollen und Recht durch offensichtliche Dauerrealität zu bekommen, das sind hier ganz gewiss zwei verschiedene Paar Schuhe!
Bitte also etwas mehr "mea culpa" und schuldbewusstes Herumwälzen in Asche der tiefen Selbsterkenntnis seitens der selbstberufenen und wie die Made im Speck lebenden VWL-Weisen, denn das negative Ergebnis dieser holden Theorien für die Allgemeinheit wiederholt sich z.Zt. ganz genau wie bei der Mutter dieser Krisen in 1929!
Und welche sozialen Folgen und Destabilisierung der Demokratie dies weltweit hatte, kann jeder selbst im Geschichtsbuch nachlesen!