Die Bahn führt gute Gründe an, warum sie so heftig zuschlägt. Dass sich die deutlich gestiegenen Energiekosten sowie höhere Personalaufwendungen auf die Tickettarife auswirken, ist nachvollziehbar. Zudem hatte der bundeseigene Konzern im vergangenen Dezember auf eine Anhebung der ICE- und IC-Tarife verzichtet. Da dürfte im Fernverkehr wohl so etwas wie ein Nachholbedarf entstanden sein - zumal bei den Fernzügen der Gewinn im ersten Halbjahr 2011 deutlich geschrumpft ist.
Höhere Einnahmen lassen sich aber auch durch guten Service, neue Geschäftsideen und somit mehr Fahrgäste erzielen. Doch bei der Bahn hapert es an zu vielen Stellen. Immer noch fahren Fernzüge halb leer durch die Republik, zu viele Züge fallen wegen technischer Mängel aus, die Kundenbetreuung ist oft miserabel. Und etliche Regionalbahnen sind so überbesetzt, dass Pendler täglich verzweifeln.
Das liegt auch daran, dass die Bahn im öffentlichen Personenfernverkehr noch über ein De-facto-Monopol verfügt. Hier findet Wettbewerb auf der Schiene kaum statt, und die Konkurrenz der günstigeren Fernbusse setzt erst langsam, viel zu langsam ein. Die Bahn handelt also rational, wenn sie ihre Marktmacht so lange wie möglich ausnutzt. Die Kunden haben das Nachsehen.
Es braucht Wettbewerb, damit die Deutsche Bahn künftig mehr unternimmt, als stets nur an der Preisschraube zu drehen.