Interimsmanager Kurt Seitzinger hat viele Produktionsschritte, die von Zulieferern erledigt wurden, ins Göppinger Stammwerk zurückgeholt
Seit Anfang Februar 2009 führt er als Interimsmanager die Geschäfte des Modellbahnherstellers. Dabei hat er mit Miniaturzügen wenig am Hut. Einmal, vor 30 Jahren, hat er eine Eisenbahn der Firma aufgebaut - und sie auf Gleichstrom umgestellt. Auf Gleichstrom! Das geht gar nicht. So etwas tut man nicht. So einer kommt bei Märklin normalerweise nicht einmal durch die Tür. "Aber bei mir hatten sie ja gar keine andere Wahl", sagt Seitzinger. Er grinst.
Vor einem Jahr war Märklin pleite. Insolvenzverwalter Michael Pluta schickte Seitzinger nach Göppingen. Die beiden kennen sich schon lange, Seitzinger hat für Pluta schon so manche Firma saniert. Und ihm ist in 13 Monaten gelungen, woran niemand mehr so recht glaubte: die Wiederbelebung einer Legende. Der Neuanfang bei Europas größtem Modelleisenbahnhersteller. Anfang Februar meldeten die Schwaben einen Gewinn vor Zinsaufwand und Steuern von 12,4 Mio. Euro. Märklin lebt. Und in Göppingen wollen sie Seitzinger am liebsten gar nicht mehr gehen lassen.
Es gab eine Menge Insolvenzen im vergangenen Jahr. Aber kaum eine hat die Menschen hierzulande so bewegt wie die von Märklin. Das Schicksal des Unternehmens war sogar Thema im Bundestag, der Name Märklin fiel in einem Atemzug mit Opel. Bei Opel arbeiteten über 25.000 Menschen, bei Märklin gerade einmal 1500. Doch es ging hier nicht um nackte Zahlen, sondern um tiefe Emotionen. Um Kinderzimmer und heile Welt.
Seitzingers Gedankenwelt ist frei von dieser Romantik. "Um welches Produkt es geht, ist mir eigentlich egal", sagt er, "wichtig ist, sich die richtigen Leute auszusuchen, mit denen man das durchziehen kann." In seiner Strickjacke sieht der Manager gemütlich aus. Doch das ist er nicht. Seitzinger hat einen Auftrag - und den zieht er durch. "Manchmal mit dem Charme einer Planierraupe", sagt er selbst über sich.