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Merken   Drucken   05.09.2011, 11:08 Schriftgröße: AAA

Deutsche Waffen: Heckler & Koch schreibt wieder Verlust

Exklusiv Verzögerte Auslieferungen und Zinsbelastungen machen dem Waffenfabrikanten zu schaffen. Die negativen Nachrichten treffen das Unternehmen in der Phase des großen Umbruchs. Der Börsengang steht infrage. von Gerhard Hegmann  München
Der schwer unter Druck stehende deutsche Waffenfabrikant Heckler & Koch (H&K) ist erstmals nach gut drei Jahren wieder in die Verlustzone gerutscht. Nach FTD-Informationen hat das Unternehmen im zweiten Quartal einen Umsatz- und Ertragseinbruch verbucht. Begründet wird dies mit verzögerten Auslieferungen und Zinsbelastungen für eine Unternehmensanleihe. Zudem findet sich ein Hinweis auf unterbrochene Ausfuhrgenehmigungen. "Die Exportlizenzen des Konzerns für den Nahen Osten wurden wieder in Kraft gesetzt, und die entsprechenden Lieferungen wurden im dritten Quartal wieder aufgenommen", heißt es in dem nicht veröffentlichten Bericht, der der FTD vorliegt. Eine Jahresprognose wird nicht gemacht.
Kennzahlen von Heckler & Koch in Mio. Euro   Kennzahlen von Heckler & Koch in Mio. Euro
Der Haupteigentümer Andreas Heeschen wollte am Sonntag auf Anfrage zu den Details keine Stellung nehmen: "Ich kommentiere unsere Finanzzahlen nicht mehr. Unsere Anleiheinvestoren wurden in einer Telefonkonferenz informiert." Der Umsatz brach im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Mio. Euro auf 36,6 Mio. Euro ein. Nachdem das Unternehmen im Vorjahr 6,1 Mio. Euro Gewinn schrieb, werden jetzt 3,4 Mio. Euro Verlust ausgewiesen.
Das Verlustergebnis trifft Heckler & Koch in einer Umbruchsituation. Dabei ist die Firma dringend auf gute statt belastende Nachrichten angewiesen. So gab es Pläne, das hoch verschuldete Unternehmen 2012 in London und Frankfurt an die Börse zu bringen. Vor diesem Hintergrund schaden jüngste Berichte über das Auftauchen von G36-Gewehren des Unternehmens in Libyen, wofür es keine Genehmigung gibt. In der politischen Kritik der Opposition steht zudem der von der Regierung freigegebene Aufbau einer H&K-Waffenlizenzproduktion in Saudi-Arabien.
Heeschen betonte nachdrücklich, dass es zu keinem Zeitpunkt Waffenlieferungen des Unternehmens nach Libyen gegeben habe. "Deutschland hat die strengsten Exportrichtlinien, und wir halten uns strikt daran." Experten des Unternehmens würden nach Libyen geschickt, um mit den Behörden vor Ort die Herkunft der Gewehre zu klären. Heeschen verwies darauf, dass Nato-Verbündete mit G36-Waffen die libyschen Rebellen unterstützen. So könnten theoretisch Fotos entstanden sein, auf denen die Rebellen die G36-Gewehre in den Händen halten.
Die aktuellen Verlustzahlen von Heckler & Koch sind auch eine Folge enormer Schulden und damit verbundener Zinszahlungen. Im Mai hatte das Unternehmen eine neue Anleihe über 295 Mio. Euro mit 9,5 Prozent Zinsen aufgelegt, die 2018 zurückgezahlt werden muss.
Damit wurde eine auslaufende Anleihe über 120 Mio. Euro ersetzt und zudem ein Spezialkredit (PIK) über 170 Mio. Euro der H&K-Muttergesellschaft aufgekauft. Allein im ersten Halbjahr musste die Firma 15 Mio. Euro Zinsen zahlen. Damit wurde der Ertrag aus dem operativen Geschäft vollständig aufgezehrt.
Heeschen sieht die finanziellen Umstrukturierungen dennoch in positivem Licht. "Das Unternehmen hat jetzt eine klare Finanzierungsstruktur." Die neu emittierte Anleihe habe sich trotz des jüngsten Kurseinbruchs besser entwickelt als die vergleichbaren Anleihen anderer Unternehmen.
Der Firmenchef deutete aber an, dass der Börsengang keineswegs eine ausgemachte Sache ist: "Unverändert haben wir vor, für die künftige Entwicklung der Firma Eigenkapital zuzuführen." Es könnte auch Eigenkapital über eine Privatplatzierung oder über eine Kapitalerhöhung aus dem Gesellschafterkreis zufließen. "Welche Variante im Zuge der Öffentlichkeit, die wir aktuell in Deutschland haben, dann zum Zuge kommt, ist noch offen", so Heeschen.
  • FTD.de, 05.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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