Der Gleichklang der klassischen deutschen Energieversorger ist Vergangenheit. Auf die Energiewende reagieren RWE und Eon strategisch in vielen Punkten völlig unterschiedlich. Der erste Zwischenbericht, den der neue RWE-Chef Peter Terium am Dienstag vorlegte, brachte Differenzen weit über Zahlen hinaus ans Licht. Am Vortag hatte Eon über das erste Halbjahr berichtet. Einig sind Terium und Eon-Chef Johannes Teyssen sich nur in der Analyse, dass die Konzerne strikt sparen und Personal abbauen müssen. RWE bekräftigte die Absicht, statt 8000 nun 10.400 Stellen zu streichen. Im Übrigen trennen sich die Wege:
Teyssen ist überzeugt, dass Eon ohne Einstieg in Südamerika und Asien auf die Dauer vom Wachstum des globalen Energiemarkts abgekoppelt wird, während in Europa der Megatrend zum Energiesparen die Chancen deckele. Terium widerspricht und setzt auf Effizienzgewinne. "Asien und Südamerika sind für uns kein Thema", sagte er. Effizienzreserven im Kraftwerksbetrieb oder Rohstoffhandel ließen sich über Kontinente hinweg nun einmal nicht heben. "Das funktioniert bei Strom und Gas zwischen den Niederlanden und Deutschland, nicht aber zwischen Brasilien und Indien."
Teyssen plädiert für eine Verknappung von Klimazertifikaten. Damit will er die gefallenen Preise so weit anheben, dass Investitionen in den Klimaschutz wieder lohnen. RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz hält dagegen, eine Verknappung des Zertifikateangebots sei ein "Kurieren an Symptomen". "Das System funktioniert. Wir können uns Eons Meinung nicht anschließen", sagte er. Hintergrund: RWE profitiert mit seinen Braunkohlekraftwerken von den billigen Klimarechten.
Eon feierte am Montag seine Einigung mit dem größten Lieferanten Gazprom über günstigere Gasbezugsverträge als großen Erfolg. "Wir ziehen klare, strukturelle, marktorientierte Lösungen schnellen, schlechten Lösungen vor, die dann direkt die nächsten Verhandlungen wieder nach sich ziehen", lautete am Dienstag die kaum verhüllte Kritik von RWE-Strategiechef Leonhard Birnbaum.
Auch der Ton offenbart das Ende einer Ära paralleler Interessen. Als die Energiemärkte nach der Jahrtausendwende liberalisiert wurden, agierten RWE und Eon oft nahezu wie Zwillinge: Als Mischkonzerne, hervorgegangen aus Fusionen halbstaatlicher Unternehmen, machten sie umfangreiche Randsparten zu Geld, investierten die Mittel anschließend ins neu definierte Kerngeschäft mit Strom und Gas und expandierten in Europa - beide nicht immer glücklich.
Jetzt treten Unterschiede auch in den Details wie beim Gasgeschäft hervor. RWE werde darauf pochen, nicht nur die umstrittene Ölpreisbindung ganz zu kippen, sondern auch andere Kombinationen nicht akzeptieren, so Birnbaum. Gas bilde einen eigenständigen Markt.
Auch mit niederländischen Lieferanten streitet er über das Thema, Norwegens Statoil konnte er dagegen überzeugen. Damit stellt RWE jährlich rund sechs Milliarden Kubikmeter Gaslieferungen auf günstigere Verträge um, während für elf Milliarden Kubikmeter - etwa die Hälfte der Bezugsmenge - eine Einigung aussteht.
Die harte Haltung kostet den Konzern zunächst Gewinn. Eon konnte nach der Einigung mit Gazprom eine Nachzahlung kassieren, die entscheidend zur Verdreifachung des Konzernüberschusses auf 2,9 Mrd. Euro beitrug; derweil stagnierte der RWE-Nettogewinn im ersten Halbjahr bei 1,6 Mrd. Euro. Beim operativen Ergebnis (Ebitda) konnte Terium bei seiner Premiere als Konzernchef immerhin eine Steigerung um neun Prozent auf 1,7 Mrd. Euro vorweisen.
Mit Stellenabbau und strukturellen Umbauten will er bis Ende 2014 zusätzlich jährlich 1 Mrd. Euro einsparen. Kernstück ist die Gründung einer länderübergreifenden Kraftwerkstochter in der Rechtsform einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) mit 18.000 Mitarbeitern.