Erneuerbare Energien verdrängen Kohle und Gas mit unerwartet hohem Tempo. Der Energiekonzern Eon erklärte am Donnerstag, dass das Unternehmen alle Projekte für konventionelle Kraftwerke im Stammmarkt gestrichen habe. "Wir haben in Westeuropa ausreichende Kraftwerkskapazitäten bis zum Ende des Jahrzehnts", sagte ein Konzernsprecher. "Eon hat daher derzeit keine Pläne für neue Gas- oder Steinkohlekraftwerke", so der Sprecher.
Schon im Frühjahr standen branchenweit viele Projekte auf der Kippe. Nach Zählung der Versorgerlobby BDEW vom Mai waren in Deutschland 29 große Gaskraftwerke und 17 Steinkohlegeneratoren geplant, einige davon bereits genehmigt. Doch die Investitionsentscheidungen würden hinausgeschoben, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller im Frühjahr. Inzwischen scheint fraglich, wie viele überhaupt realisiert werden, da der Ökostrom die fossil befeuerten Kraftwerke schneller verdrängt als erwartet. Im ersten Halbjahr hatten Wind-, Solar- und Biomassekraftwerke bereits einen Marktanteil von 25 Prozent erreicht.
Den Gaskraftwerksbetreibern kommt vor allem die Fotovoltaik in die Quere. Deren Aufgabe war bis vor Kurzem die Abdeckung der mittäglichen Nachfragespitzen mit ihren lukrativen Strompreisen. Doch die Bedingungen am Spotmarkt für kurzfristig verfügbaren Strom haben sich grundlegend geändert: Gerade um die Mittagszeit ist reichlich Solarstrom verfügbar - und drückt die Preise.
Hinzu kommt eine generell sinkende Stromnachfrage durch die Wirtschaftskrise in Europa. Die Folge: Gaskraftwerke, die früher mindestens 4000 Stunden pro Jahr liefen, kommen heute nur noch auf wenige Hundert Betriebsstunden. Auch die bevorstehende Stilllegung der restlichen deutschen Kernkraftwerke werde nichts daran ändern, dass auf Jahre ausreichend Kraftwerksleistung zur Verfügung stehe, so Eon. Allein die Fertigstellung der vor der Krise begonnenen Generatoren bringe weitere 20 Gigawatt ans Netz. Eon will lediglich begonnene Kraftwerke fertigstellen, darunter auch das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln. Auch das niederländische Kohlekraftwerk Maasvlakte werde zu Ende gebaut.