Die Energiewende in Deutschland ist beschlossene Sache. In unserer Serie zeigen wir, wie sich Ökostrom am besten speichern lässt, wie viele neue Stromleitungen das Land braucht und wie hiesige Hersteller vom Ausbau den erneuerbaren Energienanlagen profitieren.
In den Hallen rattern die Anlagen, spucken Kulispitzen aus, Kunststoffmäntel und Faserminen. Doch eine große Maschine steht still. Dort stoppt Roland Schneider. "Früher war die Reinigungsanlage 16 Stunden am Tag im Betrieb", sagt der Unternehmenschef. Heute läuft sie nur noch vier Stunden, in denen die Tagesproduktion konzentriert bearbeitet wird. Leerlaufzeiten gibt es nicht mehr. "Dadurch sparen wir 30.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr."
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Schneider mag solche Gleichungen. Der 65-jährige Gründersohn führt den Schreibgerätehersteller Schneider aus Schramberg im Schwarzwald. Seit Jahren durchforstet er mit einem fünfköpfigen Team die Firma nach Energieeffizienzkillern. Schneider und der "Ökokreis", wie er im Firmenjargon heißt, hatten etwa erkannt, dass die Lampen in den Hallen auch brannten, wenn niemand Licht brauchte. Heute ist das anders. Eine Kleinigkeit - doch sie senkt Verbrauch und Stromrechnung.
Schneider trägt halblanges, graues Haar, über dem Hemd eine bequeme Weste. Nicht nur das Äußere unterscheidet ihn vom Klischee eines Unternehmers. Er findet auch, dass ein hoher Strompreis keine Katastrophe ist, zwingt er doch die Firma dazu, auf den Verbrauch zu achten. Um die Produktion erneuerbarer Energien zu fördern, bezieht Schneider seinen Strom zum großen Teil aus erneuerbaren Quellen, rund 15 Prozent kommen aus eigenen Blockheizkraftwerken. Pro Jahr mache das Mehrkosten von 60.000 Euro im ganzen Unternehmen aus, rechnet der Wirtschaftsingenieur vor. Schlimm? Nein! "Das verträgt unsere Ertragsrechnung noch." Schneider hat klare Ansichten. Bis auf energieintensive Branchen wie die Aluminiumindustrie müssten Unternehmer in der Lage sein, mit steigenden Strompreisen umzugehen, findet er.
Schon Ende der 90er-Jahre fasste er im Zuge der Umweltdebatte den Entschluss, die Firma zum ökologischen Vorzeigeunternehmen zu machen. "Ich war überzeugt, dass unsere Kunden das eines Tages fordern werden." Er unterwarf sich der Ökozertifizierung der europäischen EMAS-Verordnung. Kontrolleure prüfen regelmäßig, ob er die Vorgaben einhält.
Jedes Jahr modernisiert Schneider den Anlagenpark, tauscht stromfressende hydraulische Spritzgussmaschinen gegen vollelektrische Varianten aus, die ein Viertel weniger verbrauchen. Die Kosten für die neue Anlage betragen bis zu 250.000 Euro. Die Stromrechnung schlägt mit etwa 720.000 Euro pro Jahr zu Buche. Im Lauf der Zeit amortisiert sich die Ausgabe.
Für den Firmenchef steht fest: Eine umweltfreundliche Produktionsweise beflügelt auch den Absatz. Zumindest, was seine eigenen Kunden betrifft. Behörden ordern gern ihre Schreibmittel bei ihm. "Die sind gehalten, ökologisch einzukaufen."
Auch in anderen Bereichen versucht der Geschäftsmann, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen. Da die Firma in einem engen Schwarzwaldtal liegt, kommen viele Beschäftigte mit dem Auto. Parkplätze sind knapp, ein Ausbau wäre teuer. Mit seinem "Ökokreis" kam Schneider auf die Idee, eine Flotte von Elektrofahrrädern aufzubauen. Diese E-Bikes haben einen Motor, der nur anspringt, wenn der Benutzer in die Pedale tritt. Steigungen lassen sich so leichter bewältigen. Die Mitarbeiter dürfen ein E-Bike auf Dauer kostenlos fahren, wenn sie mindestens 80-mal pro Jahr damit zur Arbeit kommen. "Mein Ziel ist es, 50 Leute zum Umsteigen zu bewegen" , sagt er. Der Anschaffungspreis pro Rad beträgt rund 2000 Euro. Teuer? Vielleicht. Aber immer noch billiger als ein Parkhaus.
Die ökologische Revolution bei Schneider war kein Selbstgänger. Zum Beispiel als er Inlandsdienstreisen im Flugzeug verbot, wenn es die Bahn auch tut, war Überzeugungsarbeit nötig. "Jetzt ist das in den Köpfen drin." Obwohl es ganz ohne Kontrollen auch nicht läuft. Neulich erwischte er Mitarbeiter, die mit dem Auto dienstlich nach Wien reisten, obwohl sie mit der Bahn sogar Zeit gespart hätten. "Die haben eine Rüge von mir bekommen."