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Merken   Drucken   23.11.2012, 14:14 Schriftgröße: AAA

Investment: Ein Acker als Anlage

Anleger stürzen sich auf vermeintlich sichere Anlagen, Experten warnen bereits vor einer drohenden Immobilienblase. Deshalb entdecken Investoren eine neue Anlageklasse: Die Preise für Agrarland schießen in die Höhe - auch weil Investoren auf hohe Renditen spekulieren.
© Bild: 2012 DPA/Jens Wolf
Anleger stürzen sich auf vermeintlich sichere Anlagen, Experten warnen bereits vor einer drohenden Immobilienblase. Deshalb entdecken Investoren eine neue Anlageklasse: Die Preise für Agrarland schießen in die Höhe - auch weil Investoren auf hohe Renditen spekulieren.

Wir leben in bewegten, unsicheren Zeiten. Und wonach verlangt es den Menschen in solchen Phasen? Nach Werten, die noch als sicher gelten - und sich auf keinen Fall bewegen. Die Folgen eines solchen Sicherheitsbedürfnisses lassen sich momentan am deutschen Immobilienmarkt erkennen: Die Preise steigen zumindest in den Metropolen so stark, dass einige Experten bereits vor einer drohenden Immobilienblase warnen.

Deshalb haben Investoren zuletzt eine neue Anlageklasse entdeckt: Sie kaufen Agrarland. "Die Landwirtschaftsszene verändert sich in diesem Bereich enorm, es sind viele neue Akteure im Spiel, die es vor einigen Jahren so noch nicht gab", sagt Mechthilde Becker-Weigel von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.

So sind etwa in Niedersachsen die Preise für Ackerland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes in den Jahren 2006 bis 2011 um rund 40 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür ist der Platzbedarf für Industrie oder Wohnhäuser, aber auch das starke Wachstum der Bioenergie, für deren Gewinnung große Flächen benötigt werden.

Hinzu kommt seit einiger Zeit aber eben auch das Interesse von Nicht-Landwirten, die das Land kaufen und die Rendite aus der Verpachtung einstreichen wollen. Ihr Einfluss ist inzwischen so groß, dass kürzlich in einem Gutachten für das Land Brandenburg eine stärkere Kontrolle der Landverkäufe an Privatinvestoren gefordert wurde. Denn die Preisexplosion gefährde vor allem kleine Landwirte, die sich Flächen kaum noch leisten könnten. Das Hamburger Abendblatt verwies kürzlich darauf, dass die Zahl der Genehmigungsanträge für den Verkauf von Ackerland nach dem Grundstücksverkehrsgesetz zwischen 2006 und 2011 von 242 auf 635 angestiegen ist. Der Investmentrend treibt bisweilen sonderbare Blüten: "Zum Teil sind die Preise so übertrieben, dass Schweinehalter in einigen Regionen ihre Ackerflächen an Kartoffelproduzenten verpachten - und das Futter für ihre Tiere stattdessen am Markt kaufen", erzählt Becker-Weigel.

Auch Privatanleger können sich entweder direkt oder über Aktien, Anleihen oder geschlossene Fonds an Agrarlandinvestments beteiligen. Allerdings handelt es sich um dabei eine Investmentnische. Die entdecken derzeit vor allem Versicherer und Pensionskassen für sich. Laut einer Studie der Ratingagentur Feri planen diese ihr Engagement in dem Segment bis 2015 deutlich auszuweiten.

Vor allem in den USA sind Landinvestments bereits seit einigen Jahren ein großes Thema. Forstunternehmen wie Weyerhaeuser oder Plum Creek Timber werden unter anderem auch deshalb so hoch bewertet, weil sie über gewaltige Landflächen und Wälder. Auch die Fondsindustrie ist als Agrar- und Landinvestor unterwegs.

Laut Stefan Dürr, Gründer und Geschäftsführer des Agrarunternehmens Ekosem lassen sich die Firmen in zwei Kategorien einteilen: "Es gibt die Unternehmen, die aus Wertsteigerungsgründen Ackerland kaufen, und es nebenher dann noch bewirtschaften, und es gibt Unternehmen wie uns, die das Ackerland kaufen, weil sie es brauchen." Ekosem selbst ist eine deutsche Firma, die in Russland aktiv und inzwischen zum drittgrößten Milchproduzenten des Landes aufgestiegen ist. In Kürze will das Unternehmen eine Mittelstandsanleihe begeben.

Ziel ist es dabei bestehende Kredite bei russischen Banken abzulösen, um die Zinslast zu senken und zudem, um Mittel zu haben, um weiterer Flächen in Russland zuzukaufen. Laut Dürr müssen Finanzunternehmen mehr zahlen als Agrarunternehmen und würden trotzdem häufig genug die Flächen nicht bekommen. Denn viele der Investoren hätte "verbrannte Erde" hinterlassen, weil sie sich nicht auf die Region und Land eingelassen hätten. Dürr betont deshalb auch, dass einer seiner Vorteile sei, dass er die Flächen aktiv nutze, die lokale Bevölkerung beschäftige und auch vor Ort aktiv sei.

Zu den großen Agrar- und Landinvestoren gehören etwa Black Earth Farming, Trigon Agri, NCH Capital oder UFG. Die in Stockholm gelistete Alpcot Agro etwa verfügt derzeit über 91.400 Hektar Land in der Ukraine und Russland. Mit 181.000 Hektar fast doppelt so groß ist die ebenfalls in Stockholm notierte Trigon Agri. 2011 machte das Unternehmen einen Jahresgewinn von 1,2 Millionen Euro.

Im Frankfurter Freiverkehr gelistet ist die Agrarius Agrar Investments, die explizit mit der Wertsteigerung von Agrarland ein Geschäft machen will. Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es: "Vor dem Hintergrund der so genannten Megatrends, einer stetig wachsenden Weltbevölkerung, steigendem Energie- und Nahrungsmittelbedarf ist Ackerland eine Anlagenklasse mit Zukunft."

Ebenfalls ganz klar mit dem Ziel der Wertsteigerung ist Aquila Capital unterwegs. Die Investmentgesellschaft hat geschlossene Beteiligungsmodelle aufgelegt, die in Agrarflächen und -betriebe investieren. Für den Fonds Aquila Agrarinvest IV, der Geld in der neuseeländischen Milchwirtschaft anlegt, prognostiziert das Unternehmen Ausschüttungen von sechs Prozent pro Jahr. Insgesamt soll der prognostizierter Gesamtmittelrückfluss im Jahr 2019 etwa 168 Prozent vor Abgeltungsteuer betragen - vor allem auch durch die Wertsteigerung der Flächen beim Verkauf.

Wer genug Geld hat, um direkt Land zu kaufen, findet in Deutschland Ansprechpartner, etwa bei der Berenberg Bank. Dort kümmert sich Andreas Renner für Kunden der Bank um Direktinvestments in Agrarland, vor allem in Deutschland. Er berichtet, dass gerade infolge der Finanzkrise das Interesse bei den Kunden zugenommen hat. Die seien aber weniger auf eine mögliche hohe Rendite aus, sondern eher auf den Werterhalt. Sie investierten mit einer langfristigen Perspektive, etwa um ihren Nachkommen später Vermögen übertragen zu können.

  • FTD.de, 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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