Auch in Japan war es zu Todesfällen in Zusammenhang mit dem Präparat gekommen. Weltweit dürfte die Zahl inzwischen bei etwa 50 liegen. "Das ist die Größenordnung, in der man sich wohl im Augenblick weltweit bewegt", sagte ein Konzern-Sprecher. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte zuvor darüber berichtet.
In Japan muss Boehringer Ingelheim inzwischen genauer über die Risiken des Präparats berichten. Auch in Europa hatte Boehringer die Ärzte aufgefordert, künftig vorsichtiger zu sein. Sie sollen die Nierenfunktion von Patienten vor einer Behandlung mit dem Präparat überprüfen.
Bei schweren Nierenfunktionsstörungen ist das Mittel tabu
Bei Patienten, die älter als 75 sind oder unter einer beeinträchtigten Nierenfunktion leiden, solle das Organ mindestens jährlich untersucht werden. Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen sollten das Mittel gar nicht erst bekommen. Der Familienkonzern aus Ingelheim bei Mainz hatte sich mit der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA darüber verständigt, die Arztinformationen entsprechend zu überarbeiten.
Das Schlaganfall-Präparat Pradaxa wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion aber gestört, kann auch die Ausscheidung betroffen sein. Innere Blutungen können dann lebensbedrohlich werden. Im August hatte die Medizin-Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" (NEJM) betont, dass es für neue Gerinnungshemmer noch keine Gegenmittel gibt, die die Wirkung bei lebensbedrohlichen Blutungen schnell umkehren können.