360.000 Mitarbeiter erwirtschafteten für Siemens im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 74 Mrd. Euro. Um den Überblick zu behalten, hat das Management das Unternehmen in vier Sektoren eingeteilt: Industrie, Energie, Medizintechnik sowie Infrastruktur und Städte.
Diese Einteilung ist vergleichsweise neu - der seit Sommer 2007 amtierende Konzernchef Peter Löscher baut das Unternehmen kontinuierlich um. Eines seiner Ziele ist die Stärkung der Umwelttechnik.
Unter anderem wegen Problemen beim Netzanschluss von Nordsee-Windparks senkte das Münchner Unternehmen an diesem Mittwoch seine Prognose für das laufende Jahr: Statt 6 Mrd. Euro erwartet Europas größter Industriekonzern nur noch 5,2 bis 5,4 Mrd. Euro Gewinn. In anderen Sparten aber läuft es prima. FTD.de zeigt Siemens' Geschäftsfelder im Detail.
Einst die mit Abstand größte Sparte im Siemens-Konzern, wurde das Industriegeschäft zuletzt neu geordnet. Teile davon wanderten mit Wirkung zum 1. Oktober 2011 in den - ebenfalls neuen - Geschäftsbereich Infrastruktur und Städte. Heute macht der Industriesektor ein knappes Drittel vom Siemens-Umsatz aus. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um neun Prozent auf gut 5 Mrd. Euro, der operative Gewinn legte um etwa fünf Prozent auf 662 Mio. Euro zu.
Der Maschinenbau, die Automatisierung und die Steuerung von Prozessen in Fabriken ist ein Teil dieser Sparte. Dafür liefert Siemens auch die Software.
Der Geschäftszweig zählt zu den ertragsstärksten im Unternehmen. Aufträge, Umsätze und Gewinn zogen hier zuletzt an. Allerdings ist es relativ konjunkturabhängig. Löscher bezeichnete die Sparte am Mittwoch gleichwohl als robust.
Mit einem Anteil am Umsatz von gut einem Drittel ist dieser Geschäftszweig der größte im Konzern - allerdings häuften sich zuletzt die schlechten Nachrichten.
Dabei läuft es hier längst nicht überall mau. Mit dem Bau von Kohle- und Gaskraftwerken etwa macht das Unternehmen nach wie vor gute Geschäfte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal steigerte die Sparte ihren Umsatz um 13 Prozent auf 6,9 Mrd. Euro, der operative Gewinn jedoch ging um 76 Prozent auf 573 Mio. Euro zurück.
Das Portfolio der Sparte umfasst alles, das etwas mit Energie zu tun hat - etwa Turbinen oder Hochspannungsleitungen oder Technologien für Kraftwerke, erneuerbare Energiequellen, Stromübertragung oder die Gewinnung, Verarbeitung und den Transport von Öl und Gas.
Im Fokus des Marktes stehen aktuell aber die hohen Verluste bei der Netzanbindung von Windparks in der Nordsee, die Siemens - neben der Sanierung der Telefonnetz-Beteiligung Nokia Siemens Networks (NSN) - das Quartalsergebnis verhagelten.
Bei der Anbindung von Windparks ans deutsche Stromnetz gibt es massive Probleme. Löscher räumte am Mittwoch ein, dass man zu schnell zu viele Aufträge hereingenommen habe, ohne die ersten Erfahrungen abzuwarten. Der Konkurrent ABB aus der Schweiz ging da schlauer vor.
Die Anbindung der Windparks vor Helgoland und Borkum ans Stromnetz auf dem Festland liegt bis zu einem Jahr hinter dem Zeitplan zurück, räumte der Siemens-Chef ein. Deshalb muss das Unternehmen Vertragsstrafen an den Netzbetreiber zahlen und außerdem zusätzliches Personal einstellen, um den Rückstand nicht noch größer werden zu lassen.
Im zweiten Quartal summierten sich die Belastungen auf 278 Mio. Euro, sie überstiegen damit noch die 203 Mio. Euro des ersten Quartals. Löscher ist jedoch zuversichtlich, dass Besserung in Sicht ist. Die noch folgenden Lasten seien geringer, versprach der Siemens-Chef. "Wir arbeiten die Probleme konsequent ab."
Allerdings sind zuletzt neue Schwierigkeiten aufgetaucht: Im Transformatorengeschäft verderben asiatische Hersteller den Markt mit Kampfpreisen. Siemens bereitet daher Einschnitte in seiner Stromübertragungssparte vor. "Durch aggressive Wettbewerber aus Asien steht der Markt inzwischen unter hohem Preisdruck", gestand Löscher ein. Vor allem südkoreanische Rivalen wie Hyundai Heavy Industries machen Siemens zu schaffen.
Mit der Sparte "Healthcare" zeigte sich Konzernchef Löscher am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Quartalszahlen zufrieden. Auftragseingang um Umsatz stiegen zuletzt in dieser Sparte, die mit einem Anteil an den Gesamterlösen bei Siemens von knapp 18 Prozent der kleinste Geschäftsbereich ist.
Die Gewinne sanken allerdings im Vorjahresvergleich leicht auf 424 Mio. Euro. Der Umsatz stieg um gut acht Prozent auf knapp 3,4 Mrd. Euro.
Insgesamt laufen die Geschäfte hier unterschiedlich. Schwierigkeiten gibt es in der Diagnostik. Hier hatte das Unternehmen im vergangenen Dezember einen Stellenabbau angekündigt.
Die von Siemens zusammengekaufte Diagnostik soll mit Apparaten zur Labordiagnose von Blut, Urin oder Gewebe das Angebot des Münchner Konzerns ergänzen, das traditionell stark bei bildgebenden Systemen wie Röntgengeräten ist. Doch bisher ist der Erfolg mäßig. Mit seinem Stammgeschäft - bildgebenden Geräten wie Computertomographen - hat das Unternehmen mehr Erfolg.
Diese Sparte ist aus Sicht von Konzernchef Löscher sehr wichtig, da es hier unter anderem darum geht, wie sich Menschen in großen Städten künftig fortbewegen oder wie dortige Gebäude aussehen sollen. Löscher will mitmischen bei den Fragen der Zukunft, die schon heute stark Regionen und Regierungen in Asien und anderen Schwellenmärkten beschäftigen. Denn dort wachsen manche Städte deutlich schneller als beispielsweise in Europa.
Der Geschäftszweig Infrastruktur und Städte mit einem Anteil am Umsatz von etwa 22 Prozent ist erst ein paar Monate alt. Hier wurden Teile der Industrie- und der Energiesparte neu zusammengefasst. Zum Geschäftszweig gehören Züge und Bahnsysteme sowie intelligente Stromnetze oder Gebäudetechnik.
Manches läuft derzeit nicht so gut. Löscher bezeichnete das Umsatzwachstum als zuletzt moderat - die Erlöse legten zuletzt leicht auf 4,3 Mrd. Euro zu, der Gewinn zog um 9,6 Prozent auf 270 Mio. Euro an. Zuletzt litt die Sparte unter einem etwas schwächeren Geschäft mit Zügen, der Auftragseingang sank.
Die Lichtsparte Osram, die letztendlich an die Börse soll, wird nicht mehr in diese Sparte hineingerechnet. Der Börsengang sei weiterhin für Herbst geplant, bekräftigte Löscher. "Wir warten auf ein Marktfenster."