Trotz des politischen Streits gibt es offenbar noch eine Chance für den Zusammenschluss von EADS und BAE Systems . "Wir setzen unsere konstruktiven Gespräche mit den Regierungen fort", sagte ein EADS-Sprecher am Samstag. "Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir ein hervorragendes Angebot für Europa gemacht haben", ergänzte er. Erste Berichte, dass damit das Gesamtvorhaben gescheitert sei, dementierte EADS umgehend: "Wir sind von den Regierungen über den Status der Gespräche informiert worden. Aber uns ist zu keiner Zeit vermittelt worden, dass der Deal gescheitert sei." Wie es heißt, werden die Gespräche voraussichtlich am Montag fortgesetzt.
Auch der britische Rüstungskonzern BAE hatte bereits einen Bericht des Nachrichtenportals "Spiegel Online" zurückgewiesen, wonach die Megafusion mit der Airbus-Mutter vor dem Aus stehe. Das Geschäft sei nicht vom Tisch. Auch im Umkreis von EADS hieß es auf die Frage, ob das Projekt gescheitert sei: "Definitiv nicht."
Wäre das Vorhaben tatsächlich geplatzt, müsste BAE Systems die Börse darüber informieren. Der Konzern arbeitet nach eigener Auskunft weiter daran, die von den britischen Behörden gesetzte Frist bis zum kommenden Mittwoch einzuhalten. Bis dahin müssen die Unternehmen nach britischem Recht darlegen, ob sie ihre Pläne weiter verfolgen. Dazu brauchen sie aber die Zustimmung der Regierungen in Paris, London und Berlin.
Die Fusion könnte am geplanten Staatseinstieg Deutschlands bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern scheitern. Nach FTD-Informationen wurden Gespräche zwischen Regierungsvertretern aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien am Freitag ergebnislos abgebrochen, weil keine Einigung über die Rolle Deutschlands gefunden wurde.
Nach FTD-Informationen möchten die Briten nach Möglichkeit einen deutschen Staatseinstieg bei dem fusionierten Unternehmen verhindern. Zudem sollte der französische Anteil nicht über den Wert von neun Prozent Kapitalanteil steigen, was sich aus dem bisherigen Staatsanteil Frankreichs an der EADS ergibt. Eine weitere Aufstockung Frankreichs sei inzwischen kein Thema mehr, heißt es in informierten Kreisen. Die Briten stünden einem deutschen Staatseinstieg jedoch sehr reserviert gegenüber.
Das Fusionsvorhaben, mit dem ein neuer weltweiter Branchenprimus in der Luft-, Raumfahrt und Verteidigungstechnik mit 72 Mrd. Euro Umsatz und 220.000 Beschäftigten geschaffen werden soll, war am 12. September bekanntgeworden. Seit Wochen spricht die deutsche Regierung von Chancen und Risiken der Fusion, die es gelte abzuwägen. Als Bedingung pocht Deutschland aber darauf, sich wie Frankreich mit 15 Prozent an EADS zu beteiligen, was einem Anteil von neun Prozent am neuen Fusionsunternehmen entspräche. Zu diesem Zweck will Deutschland über die staatliche KfW-Bank für rund 3 Mrd. Euro EADS-Anteile unter anderem von Daimler aufkaufen. EADS-Chef Thomas Enders hat jüngst darauf hingewiesen, dass dieses Geld gespart werden könnte, weil Deutschland nach dem vorgeschlagenen Modell ohnehin die gleichen Mitspracherechte wie Frankreich und Großbritannien bekäme.
Die Pläne sahen vor, dass zwischen den Regierungsvertretern am Freitag eine endgültige Einigung über die weiteren Verhandlungen erzielt wird - die dann aber doch nicht zustande kam. Nach FTD-Informationen soll Berlin sogar bereits den Entwurf einer Pressemitteilung zum Scheitern der Fusion nach Paris geschickt haben, obwohl dies letztlich eine Entscheidung der EADS- und BAE Systems-Anteilseigner wäre. Derzeit hat Deutschland keinerlei direkte Mitspracherechte bei EADS.
Nach FTD-Informationen sah die bisherige Planung vor, dass bis 10. Oktober eine einheitliche europäische Lösung für die unterschiedlichen Interessen gefunden wird. Mit diesem Vorschlag und in Abstimmung mit dem Management von EADS-BAE Systems sollte dann eine Verlängerung um eine Woche beantragt werden, um auch die Zustimmung der US-Regierung zu dem Vorhaben einzuholen. In französischen Regierungskreisen hieß es am Abend, dass Frist voraussichtlich um 28 Tage verlängert würde.
Nach den Worten von Präsident François Hollande hat Frankreich einen eigenen Rahmen für die Fusion der beiden Unternehmen bestimmt. "Wir haben unsere Bedingungen gesagt", sagte Hollande am Freitagabend am Rande eines Treffens mit den Regierungschefs von Italien, Spanien und Portugal, Mario Monti, Mariano Rajoy und Pedro Passos Coelho, in Valetta auf Malta. Nun liege es an den Unternehmen, ihre Verhandlungen im Wissen um die französische Position fortzusetzen. Als Punkte für Frankreich nannte Hollande Kapitalanteil, Standorte und Sicherung der Rüstungsindustrie. Zu konkreten Einzelforderungen sagte der Präsident aber nichts.
Mit Reuters