Wenn Vertriebsmann Lutz Delius die neue Immobilienrente erklärt, kommt er gern auf seine Mutter zu sprechen. Die lebe bei Hamburg in einem großen, "superschönen" Haus mit Reetdach. Das will sie nicht verkaufen, obwohl das Geld bei ihrer durchschnittlichen Witwenrente sicher willkommen wäre. Das sei nicht rational, sagt Delius, komme aber oft vor. Und dann zieht er rasch seinen Schluss: "Am fehlenden Bedarf kann unser Produkt nicht scheitern."
Die Zahlen geben Delius, Geschäftsführer der kleinen Immokasse GmbH in Grünwald bei München, recht. Vier Millionen Seniorenhaushalte in Deutschland leben in Eigenheimen, meist über 100.000 Euro wert und längst abbezahlt. Nur das Bargeld ist bei vielen Hausbesitzerrentnern knapp.
Der Immobilienmarkt boomt, die Kassenlage bei der gesetzlichen Rentenversicherung dagegen wird von Jahr zu Jahr angespannter - die ersten Finanzdienstleister haben beides zusammengebracht und bieten jetzt ein neues Produkt an: die sogenannte umgekehrte Hypothek, etwas anschaulicher auch Immobilienrente genannt. Sie macht das Haus zu Geld, allerdings ohne es zu verkaufen.
Das Modell: Ältere Eigenheimbesitzer bekommen Geld aus einer Hypothek, die sie auf ihr Haus aufnehmen. Sie bleiben aber trotzdem darin wohnen. Erst nach dem Auszug oder Tod der Senioren verlangt die Bank die bis dahin aufgelaufene Schuld zurück. Und: Der Rentner bleibt Eigentümer. Die Erben müssen später die Schulden ablösen, wofür sie meist wohl das Haus verkaufen werden. Im Klartext: Man verfrühstückt sein Häuschen.
Angebote gibt es bislang nur wenige: Bundesweit vermittelt die Münchner Immokasse eine solche Offerte, mit der Deutschen Kreditbank (DKB) im Rücken. Im Norden testet die öffentliche Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB) aus Kiel seit Kurzem die Produktidee. Und ein etwas anderes Verrentungsmodell bietet die Stiftung Liebenau schon seit 2004 mit ihrer Zustifterrente.