Vorrang haben innenpolitische Machtspiele. Endlich, dachten wir alle, plant der sündhaft schlechte Silvio Berlusconi als Regierungschef seinen Rücktritt und beruhigt damit die Märkte. Fehlanzeige. Vorrang haben innenpolitische Machtspiele.
Der Spuk geht also immer weiter? Nein. Er fängt erst richtig an. Was jetzt auf Europa zukommt, wird die Rettung Griechenlands als Planspiel angehender Studenten der Betriebswirtschaft verblassen lassen. Europa steht vor genau dem, was es nie wollte: einem Flächenbrand.
Italien bewegt sich in Richtung Pleite. Seit Mittwoch steht fest: Ohne ein Wunder wird sich das Land, das Genies wie Michelangelo, Galilei und Machiavelli hervorbrachte, nicht aus eigener Kraft retten können. Bis zu 7,5 Prozent Zinsen muss Italien inzwischen für zehnjährige Anleihen bezahlen. Bei einer Auktion von Bonds mit einjähriger Laufzeit lag die Rendite bei 6,087 Prozent - beides Ausmaße, die eine Refinanzierung am Kapitalmarkt auf Dauer quasi unmöglich macht. Die Erfahrung mit Griechenland, Portugal und Irland zeigt, dass sich selbstverstärkende negative Marktdynamiken nicht aufhalten lassen. Das heißt, für Italien sieht es zappenduster aus.
Führt man sich die Beträge vor Augen, um die es geht, wird schnell klar, warum das römische Fiasko gefährlicher ist als die griechische Tragödie. Athen steht welteit mit mehr als 350 Mrd. Euro in der Kreide, Rom mit mehr als 1800 Mrd. Euro. Natürlich sieht es für Italien besser aus, wenn die Gesamtverschuldung der zwei Staaten ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesetzt werden. Schließlich gehört das Alpenland zu den acht stärksten Industrienationen der Welt (G8). 2010 waren es bei Italien 119 Prozent des BIP, bei Griechenland knapp 143 Prozent. Nach der Herbstprognose der EU-Kommission steigt der Wert für Griechenland auf 198,8 Prozent im kommenden Jahr, der für Italien auf "nur" 120,5 Prozent.