Charles Goodhart
Das bislang geltende Regulierungssystem von Banken - Basel II genannt - tat nichts dagegen, weil die Regulierung sich bei der Risikobeurteilung, de facto also den Werten von Vermögensteilen, an den Marktpreisen orientiert. Die sind aber den Zyklen von Euphorie und Depression unterworfen. In der Euphoriephase signalisieren sie, dass Risiken gesunken seien. Das ist, was die Bank ohnehin schon glaubt - irrtümlicherweise.
Entscheidend ist laut Goodhart, dass die Regulierung der Banken dem gegensteuert und die Institute nicht noch zusätzlich in ihrem Irrtum bestärkt. "Die Kapitalvorschriften für die Banken sollten antizyklisch gestaltet sein", sagt der frühere Chefvolkswirt der Bank von England. Bislang wirkten sie eher prozyklisch, verstärkten also das Auf und Ab. Bislang reduzieren Banken erst in Krisenzeiten ihre Kreditvergabe - wenn die Ausfälle steigen und die Risikoprämien auf den Finanzmärkten zulegen, was wiederum den Unternehmen noch einmal zusätzliche Schwierigkeiten bereitet.
"Die Boomzeiten sind die besten Zeiten für Finanzinstitute, Polster zu bilden", sagt Goodhart daher. Derzeit sind die Anreize für Banken völlig andere. Daher jagten sie in den Boomphasen jedem noch so heiklen Kreditwunsch hinterher. Hielten sie sich nämlich zu sehr zurück, würden sie weniger Gewinne einfahren, Anleger würden ihnen den Rücken kehren, so der Experte. "Das ist der Grund, warum wir Bankenregulierung brauchen: Die Märkte versagen regelmäßig, und die folgenden Zusammenbrüche haben katastrophale Wirkungen." Die bis 2008 geltenden Bewertungen anhand aktueller Marktwerte seien zusammen mit den Eigenkapitalvorschriften von Basel II eine regelrechte "prozyklische Untergangsmaschinerie", sagt Goodhart.
Was Praktiker daraus lernen
Die Idee, in die Bankenaufsicht antizyklische Elemente einzubauen, ist eines der wichtigsten Elemente der Reformbemühungen der Aufsichtsbehörden.