Seine Arbeiten zur Währungspolitik sind das gedankliche Grundgerüst der europäischen Gemeinschaftswährung. Nun denkt Robert Mundell weiter. Er plädiert für die Kopplung von Dollar, Euro und Renminbi. von Hubert Beyerle, Berlin
Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell, der geistige Vater des Euro, hat mitten in der größten Krise der Gemeinschaftswährung ein neues Weltwährungssystem gefordert. Langfristig plädiert er für einen großen Währungsraum aus Dollar, Euro und Renminbi.
"Von festen Wechselkursen zwischen diesen drei Währungen würden alle profitieren. Sie würden die Weltwirtschaft stabilisieren", sagte Mundell auf der Tagung der Nobelpreisträger in Lindau im Gespräch mit der FTD. "Wir brauchen ein neues globales Währungssystem."
Dabei schwebt ihm ein Euro-Kurs von 1,30 Dollar vor - mit geringen Schwankungen -, den die Notenbanken stabilisieren würden. "Ein solches System fixer Wechselkurse wäre ein Anker für rund 50 Prozent der Weltwirtschaft", sagte er. "Es würde sowohl Europa wie den USA nützen."
1961 erschien Mundells wegweisender Artikel
Mundells Arbeiten zur Währungspolitik sind das gedankliche Grundgerüst des Euro. Genau vor 50 Jahren - im September 1961 - erschien sein wegweisender wissenschaftlicher Artikel über die sogenannte Theorie optimaler Währungsräume. 1969 folgte ein Artikel, der die Debatte um eine Gemeinschaftswährung in Europa in Gang brachte. Zeit seines Lebens wandte er sich gegen das Argument, flexible Kurse seien wichtig, um Ungleichgewichte in den Ökonomien anzupassen - ein Argument, auf das viele Ökonomen bis heute Wert legen.
Mundell dagegen sieht in schwankenden Wechselkursen erst die Quelle wirtschaftlicher Instabilität. "Alle großen Finanzkrisen der vergangenen Jahre wurden durch Wechselkursschwankungen verursacht."
So sei der jüngste Crash 2008 durch eine dramatische Aufwertung des Dollar innerhalb einiger Wochen um 30 Prozent gegen den Euro verursacht worden. "Das bedeutete zugleich einen Preisverfall bei Gold von 30 Prozent und von Öl um 70 Prozent. Das war die stärkste Deflation von Rohstoffpreisen in so kurzer Zeit", sagte Mundell.
Auch die Asien-Krise 1997 sei durch die Instabilität von Währungen zu erklären. "Solange das Währungssystem von Bretton Woods herrschte, gab es keine Finanzkrisen." Mit dem Zusammenbruch von Bretton Woods im Jahr 1973 endete die Zeit fixer Wechselkurse zwischen dem Dollar und vielen anderen Währungen der Welt.
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