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Merken   Drucken   25.11.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Staatspleitendebatte: Weber redet den Euro nieder

Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist groß und beherrscht die Märkte. Ausgerechnet Bundesbankchef Weber liefert weiteren Stoff für Spekulationen: Er schließt eine Aufstockung des 750 Mrd. Euro schweren Rettungsfonds nicht aus. Der Euro fällt, Bundesanleihen auch.

Nach Politikern versuchen nun Notenbanker, die Zweifel der Anleger an der Zukunft des Euro zu beseitigen. Doch ausgerechnet Bundesbankchef Axel Weber brachte mit einer Äußerung zur möglichen Ausweitung des EU-Rettungsschirms neue Verunsicherung in die Märkte. Der Euro verlor am Donnerstag deutlich gegenüber dem Dollar. Unerwartet kam es auch zu einer Flucht aus Bundesanleihen, die als sicherer Hafen gelten.

Trotz der Unruhen an den Finanzmärkten und der nötigen Rettungsaktion für Irland sei die Gemeinschaftswährung sicher, sagte Weber. Ähnlich äußerte sich der Chef des Euro-Rettungsschirms (EFSF), Klaus Regling. Der portugiesische EZB-Vorstand Vitor Manuel Ribeiro Constancio warnte davor, von den irischen Problemen auf mögliche Hilfen für Portugal zu schließen.

Bundesbankchef Axel Weber befeuert die Märkte   Bundesbankchef Axel Weber befeuert die Märkte

Weber, der auch im Vorstand der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzt, sagte am Mittwochabend in Paris mit Hinweis auf den existierenden Euro-Rettungsschirm, "750 Mrd. Euro sollten mehr als genug sein, um Attacken auf die Eurozone abzuwehren". Wenn der Rettungsschirm dennoch nicht ausreichen sollte, sei er sicher, dass die Euro-Staaten noch mehr Geld zur Verfügung stellen würden. Hintergrund ist offenbar die Sorge einiger Akteure auf den Finanzmärkten, mögliche Rettungsaktionen für Portugal und Spanien könnten das Volumen der bereitgestellten Hilfen sprengen.

Die Märkte reagierten nicht nur mit einer Flucht aus Anleihen der Euro-Peripherie, sondern der Euro-Zone insgesamt. Das zeigt sich vor allem darin, dass es auch bei den bislang als sicher angesehenen Bundesanleihen zu deutlichen Kursverlusten kam. Papiere mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten in Folge mit mehr als 2,7 Prozent. Noch vor einigen Wochen hatte der Abwärtstrend bei der Bund-Rendite nur knapp oberhalb von zwei Prozent gestoppt.

Die Renditen spanischer und irischer Papiere erreichten neue Rekorde seit Euro-Einführung. Spanische Zehnjährige rentierten bei 5,16 Prozent, irische bei knapp neun Prozent. Die Flucht aus dem Währungsraum zeigte sich auch beim Euro selbst. Die Devise fiel zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder unter die Marke von 1,33 Dollar.

Der EZB-Notenbanker Constancio wollte ebenfalls nicht von Parallelen zwischen Irland und Portugal sprechen. Jeder Fall liege anders, sagte der Portugiese. Der Finanz- und Bankensektor beider Länder sei unterschiedlich. Er werde aber keine Prognose abgeben, ob Portugal Hilfe benötigen werde.

Der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, glaubt an die ...   Der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, glaubt an die Währungsunion

Trotz der sich verschärfenden Finanzkrise in der Eurozone rechnet der Chef des Euro-Rettungsschirmes, Regling, nicht mit einem Auseinanderbrechen des Währungsraumes. "Dass der Euro scheitert, ist unvorstellbar," sagte Regling in einem Interview mit der "Bild-Zeitung". Die Gefahr liege "bei Null". "Kein Land wird freiwillig den Euro abgeben. Für schwächere Länder wäre das wirtschaftlich Selbstmord, ähnlich für die stärkeren Länder. Und politisch wäre Europa ohne Euro nur die Hälfte wert", sagte der Regling.

Der EFSF-Chef bezeichnete die aktuelle Lage in Irland als "ernst". Es gebe einen Käuferstreik. "Die großen internationalen Anleger wollen derzeit Irland nicht mehr das Geld leihen, das es braucht. Das heißt in der Praxis: Kaum jemand kauft noch irische Staatsanleihen", sagte Regling. "Wir erleben nicht wilde Spekulation sondern Käuferstreik." Regling zeigte sich besorgt, die Krise könnte sich auf andere Euro-Staaten ausweiten. Es gebe "eine gewisse Unsicherheit, ob die Krise auf weitere Länder überspringt".

Teil 2: "Der Rettungsschirm wäre groß genug für alle"

  • FTD.de, 25.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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