Die Absatzkrise und neue Anforderungen an moderne Fahrzeuge zwingen die weltweite Autoindustrie zu tiefgreifenden Veränderungen. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, bilden die Hersteller neue Bündnisse - Chrysler und Fiat sowie Volkswagen und Porsche sind nur einige Beispiele. Um vor allem im immer wichtiger werdenden Kleinwagenmarkt nicht den Anschluss zu verlieren, verbündet sich Daimer nun mit Renault -Nissan . Nach monatelangen Verhandlungen verkündete der Stuttgarter Autobauer am Mittwoch in Brüssel den Pakt mit gegenseitigem Aktientausch - trotz der gescheiterten Allianzen mit Chrysler, Mitsubishi und Hyundai .
Vor allem im Kleinwagensegment muss Daimler mit Renaults Hilfe rasch aufholen und etwa den Stadtflitzer Smart endlich rentabel machen. Der Stuttgarter Autobauer wäre nach Worten von Vorstandschef Dieter Zetsche ohne fremde Hilfe nicht in der Lage, die Neuentwicklung zu finanzieren. "Wir waren auf der Suche nach einem Partner für Smart und wir brauchten einen Partner für eine zweite, kleinere Motoren-Baureihe mit vier Zylindern", sagte Zetsche am Mittwoch in Brüssel.
"Auf einer Standalone-Basis wäre die Entwicklung der dritten Generation des Smart für uns wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen", räumte Zetsche ein. "Wir waren strategisch nicht richtig aufgestellt: bei Kleinwagen und bei kleineren Motoren." Den Smart gibt es seit 1998. Daimler weist für das Auto keine separate Bilanz aus. Doch die Zahlen sind eine Katastrophe. Mit dem Smart habe der Konzern nur in einem Jahr Gewinn gemacht, sagte ein Aufsichtsrat der FTD.
Die Idee zum Bündnis ging von den Deutschen aus. "Daimler hat uns vor knapp einem Jahr kontaktiert", sagte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn der "Monde". Die Stuttgarter hätten nur an den Smart-Nachfolger gedacht. Für Renault sei aber nur eine breitere Kooperation in Frage gekommen.
Der Kapitalaustausch zeige, dass die Partnerschaft "mehr ist als eine einfache industrielle Zusammenarbeit". Eine Erhöhung der Überkreuzbeteiligungen sei "nicht verboten". In fünf Jahren werde es je nach Ergebnis "eine zweite Phase" geben.
Daimler und Renault-Nissan erwarten durch ihre Kooperation Einsparungen in Milliardenhöhe. Die Synergieeffekte beliefen sich für beide Seiten auf jeweils rund 2 Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren, sagten Zetsche und Ghosn am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel. Die Einspareffekte ergäben sich vor allem aus geringeren Entwicklungskosten für neue Fahrzeuge, gemeinsamen Einkauf von Teilen sowie einer höheren Auslastung von Montage- und Komponentenwerken.
Kern des Deals ist die Kooperation im zukunftsträchtigen Geschäft mit Kleinwagen. Daimler will mit der Partnerschaft seine Abhängigkeit vom Premiumgeschäft verringern. Kleinwagen sind in Europa das Segment mit den höchsten Zuwachsraten und damit auch für die Premiumanbieter lebenswichtig. Die Deutschen verkaufen aber nur 330.000 solcher Autos im Jahr. Das ist zu wenig, um die Kosten für neue, umweltfreundlichere Modelle hereinzuholen. Nissan und Renault kommen zusammen auf mehr als sechs Millionen Autos, die meisten davon Kleinwagen.
Trotz der gemeinsamen Fahrzeugarchitektur sollen sich die jeweiligen Modelle aber klar voneinander differenzieren. Zusammenarbeiten wollen die Partner bei Diesel- und Benzinmotoren für Kleinwagen; zudem sollen die neuen Modelle auch mit Elektroantrieb verfügbar sein. An Nissans Oberklassemarke Infiniti liefert Daimler künftig Benzin- und Dieselmotoren.
Daneben will die Nutzfahrzeugsparte der Stuttgarter ab 2012 einen neuen Stadtlieferwagen auf den Markt bringen, dessen technische Basis von Renault stammen wird. Produziert werden soll der Kleinlaster im Renault-Werk Maubeuge in Frankreich. Der neue Smart wird bei Daimler im französischen Hambach gefertigt, der Viersitzer im slowenischen Novo Mesto bei Renault.
Die Partnerschaft wird auf Pariser Drängen hin mit einer Überkreuzbeteiligung besiegelt. Daimler beteiligt sich mit jeweils 3,1 Prozent an dem französischen und an dem japanischen Hersteller. Nissan und dessen Großaktionär Renault übernehmen im Gegenzug jeweils 1,55 Prozent an dem Stuttgarter Konzern. Renaults Anteil an Nissan verringert sich im Zuge der Transaktion leicht auf 43,2 Prozent. Der Anteil Frankreichs an Renault bleibt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bei rund 15 Prozent. Vorgesehen ist, dass Daimler für die Beteiligung kein Geld ausgibt, sondern Aktien aus dem eigenen Bestand nimmt. Der Konzern hält derzeit noch rund 3,5 Prozent eigene Papiere.
Teil 2: Warum die Franzosen kein idealer Partner sind