FTD.de » Unternehmen » Industrie » Siemens verkabelt Frankreich und Spanien
Merken   Drucken   20.12.2010, 10:45 Schriftgröße: AAA

Stromautobahn: Siemens verkabelt Frankreich und Spanien

Nach jahrelangem Dauerstreit ist Spanien und Frankreich ein Durchbruch für die europäische Stromversorgung gelungen: Sie bauen eine Stromautobahn durch die Pyrenäen.
von München

Die Technik mit dem sperrigen Namen Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) kann eine Strommenge von 2000 Megawatt (MW) relativ verlustarm übertragen - etwa so viel wie die Kapazität zweier Atomkraftwerke. Siemens baut die Umrichter, die den Wechselstrom aus dem normalen Netz in den Gleichstrom für die Stromautobahn wandelt. Der Auftrag ist rund 350 Mio. Euro schwer.

Die fehlende Verbindung zwischen den Ländern galt bisher als größtes Hindernis beim Aufbau eines transeuropäischen Stromnetzes. Die Verkabelung Europas ist für den Ausbau erneuerbarer Energien aber entscheidend, weil künftig Strom immer mehr an Orten produziert wird, die fern von den Verbrauchszentren liegen.

Kursinformationen und Charts
   [ %
   [ %
  •  
  • blättern

Ein leistungsstarkes Netz - noch ist es eine Vision - könnte Solarstrom aus Südeuropa oder sogar Nordafrika bis zu den Industriezentren etwa in Süddeutschland transportieren. Norwegens Wasserkraftwerke könnten als Speicher dienen, wenn in Großbritannien der Wind weht oder in Spanien die Sonne scheint.

Auch für das Projekt Desertec, bei dem Solarstrom aus der Sahara Europa versorgen soll, ist die neue Leitung durch die Pyrenäen wichtig: Spaniens Stromnetz ist an der Meerenge von Gibraltar bereits an Nordafrika angebunden. "Für Desertec ist diese Leitung ein Puzzlestein", sagte Udo Niehage, Chef der Siemens-Sparte für Stromübertragung, der FTD. "Sie ist aber bei Weitem noch nicht ausreichend."

Für das Wüstenstromprojekt müssen noch etliche Hochspannungskabel gebaut werden - häufig gegen den Widerstand diverser Interessengruppen. Obwohl sich alle einig waren, dass eine Leitung zwischen Frankreich und Spanien dringend gebraucht wird, stritten sich die Länder mehr als ein Jahrzehnt über die Details.

Infografik: Wie aus Wind Energie wird   Infografik: Wie aus Wind Energie wird

Naturschützer protestierten wegen der schönen Landschaft, Anwohner wegen Elektrosmogs, Spaniens Stromversorger fürchteten den billigen Atomstrom aus Frankreich. Seit so viele Windanlagen gebaut wurden, dass es Stromüberschuss gibt, hat sich das Interesse der Versorger aber geändert. Und für die Anwohner wird das HGÜ-Kabel in einem Tunnel verlegt - was teurer ist.

"Es stehen gewaltige Entscheidungen an", sagte Niehage. "Das geschieht nicht in zehn Jahren, die Reise ist deutlich länger." Die größte Herausforderung sei politischer Natur, die Genehmigungsverfahren dauerten zu lange. Die Technik sei dagegen zum größten Teil vorhanden. An Details wie der Kunststoffisolierung der dicken, schweren Kabel, die durch das Mittelmeer gehen sollen, werde gearbeitet, eine Lösung sei aber in Sicht.

Siemens  erhofft sich aus dem Netzausbau in Europa ein gutes Geschäft. Außerdem steigt die Nachfrage nach HGÜ-Technik in den Entwicklungsländern rasant, weil in Indien, China oder Brasilien große Strommengen über weite Strecken transportiert werden müssen. 2009 hatte der HGÜ-Markt laut Siemens ein Volumen von 3 Mrd. Euro. "Künftig erwarte ich noch deutlich mehr", sagte Niehage.

"Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird der Markt auf 7 Mrd. Euro wachsen. Aber an diesem Markt nehmen dann auch die neuen asiatischen Spieler teil", sagte der Siemens-Manager. Die Chinesen lägen technisch aber noch zurück und seien außerhalb ihres Heimatmarkts keine Konkurrenz.

Bisher teilen Siemens und der Schweizer Rivale ABB  das Geschäft fast allein unter sich auf. Auch Alstom  aus Frankreich arbeite an der Technik. Einen Großauftrag aus Nordeuropa hat ABB Siemens am Freitag weggeschnappt: Die Schweizer bauen für 270 Mio. Euro eine HGÜ-Leitung zwischen Schweden und Litauen.

03:22:29 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
    % 
  • Aus der FTD vom 20.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler