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  FTD-Serie: Davos überdenkt die Weltwirtschaft

Zum 40-jährigen Jubiläum gibt sich das Weltwirtschaftsforum grüblerisch: Unter dem Motto "Überdenken, umgestalten, erneuern" trifft sich in Davos wieder die globale Wirtschafts- und Politikelite. Konsequenzen aus der Krise dürften dabei im Mittelpunkt stehen – besonders die radikalen Umbaupläne für das Finanzsystem.

Merken   Drucken   31.01.2010, 16:25 Schriftgröße: AAA

Brüderle und Guttenberg: Zwist der Minister in Davos

Als Wirtschaftsminister gebühre ihm in Davos der Vortritt, glaubt Brüderle. Doch Verteidigungsminister Guttenberg ist ihm stets einen Schritt voraus. Die beiden Minister ringen ums Rampenlicht - es ist ein ungleicher Kampf. von Nikolaus Förster
Als Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am Freitag in Davos eintrifft, genießt er sichtlich, wie sich internationale Kamerateams um ihn scharen, ihn zu Griechenland und dem Euro befragen. Auf einem Podium zum Thema Technologie versucht der FDP-Politiker, mit seiner Breitbandinternet-Initiative zu punkten. Er macht eine gute Figur - und verblasst doch neben Größen wie Google -Chef Eric Schmidt  und Accenture -Chef William D. Green. Am Abend, als er bei einem Dinner über die Chance des Unternehmertums spricht, füllt sich sein Tisch nur langsam. Der eigentliche Star ist nicht der Minister, sondern Nobelpreisträger Muhammad Yunus  - am Nebentisch.
Guttenberg: Der Verteidigungsminister ist begehrter ...   Guttenberg: Der Verteidigungsminister ist begehrter Gesprächspartner in Davos
Doch nicht nur Topmanager stehlen dem Pfälzer bei seiner Premiere in Davos die Schau. Vor allem Kabinettskollege Karl-Theodor zu Gutenberg (CSU) ist Brüderle ein Dorn im Auge. Wieso, bitte sehr, lädt der Verteidigungsminister die Creme de la Creme der deutschen Wirtschaft am Samstagmorgen ins Grandhotel "Belvedere" zum Frühstück ein? Bekleidet nicht Brüderle das Amt des Wirtschaftsministers? Und wieso empfängt am nächsten Tag, in einer Hütte in 2219 Metern Höhe oberhalb von Davos, RWE -Chef Jürgen Großmann  zusammen mit Guttenberg deutsche Journalisten zur Pressekonferenz - bevor sie sich, zusammen mit etlichen Dax-Chefs, ein Skirennen liefern. Im Wirtschaftsministerium ist man not amused. Guttenberg wiederum schert das nicht. Niemand habe Brüderle daran gehindert, am CEO-Treffen in Davos teilzunehmen. "Da muss man nicht die beleidigte Leberwurst spielen."
Brüderle: Der junge, beliebte Kollege ist Brüderle ein Dorn im Auge   Brüderle: Der junge, beliebte Kollege ist Brüderle ein Dorn im Auge
Noch am Vorabend war Brüderle bis spät in die Nacht beim Empfang der Deutschen Bank im "Belvedere" gesichtet worden, wo der Minister auch übernachtet. Das zweistündige Frühstück am nächsten Morgen, bei dem mehr als 20 Topmanager teilnehmen - darunter Eckhard Cordes  (Metro ), Martin Blessing  (Commerzbank ), Jürgen Hambrecht  (BASF ) und Jürgen Großmann (RWE) - fand dort, in Brüderles Hotel, statt.
Guttenberg, der zuvor nur in der Nachwuchskategorie "Young Global Leaders" am Weltwirtschaftsforum teilgenommen hatte, fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. Nach einer Podiumsdiskussion verteilt er Autogramme, lässt sich mit Teilnehmern ablichten und springt - zum Entsetzen seiner Bodyguards - von der Bühne hinunter in die Menschenmenge.
Von der klassischen Aufteilung der Ressorts hält der Kabinettsstars nichts. Erst vergangene Woche ist Walther Otremba - zuvor jahrelang im Finanzministerium, dann Staatssekretär im Wirtschaftsministerium - ins Verteidigungsministerium gewechselt. Es sei absurd, "dass man immer noch das Über-den-Tellerrand-Blicken politisch als ungehörig empfindet", sagt Guttenberg. "Ich halte das für dringend geboten." Und auch Außenminister Guido Westerwelle  (FDP) gibt er noch einen Tritt mit. Der war anders als geplant am Freitag nicht in Davos aufgetreten - wegen starker Schneefälle war sein Hubschrauberflug gestrichen worden. "Ich habe einfach das Auto genommen", stichelt Guttenberg.
  • Aus der FTD vom 01.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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