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Merken   Drucken   28.10.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Neue Studie: Schweinegrippe wird zum Konjunkturrisiko  

Eine Ausbreitung der Schweinegrippe könnte 2010 das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,6 Prozentpunkte schwächen und damit die wirtschaftliche Erholung zunichte machen. von Ina Linden  Berlin
Eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie des Versicherers Allianz und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) kommt zum Ergebnis, dass schon bei einem mittleren Pandemieverlauf das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent um zwei Drittel schrumpft. "Das wäre für die deutsche Wirtschaft ein schwerer Schlag", sagte Boris Augurzky, Gesundheitsexperte beim RWI.
Eine epidemische Verbreitung der Schweinegrippe würde auch die Steuerpläne der neuen schwarz-gelben Regierung infrage stellen. Die Koalition möchte die Bürger 2010 und 2011 um rund 40 Mrd. Euro entlasten und setzt bei der Finanzierung vor allem auf Wachstum.
Das RWI prüfte drei Szenarien: eine milde Form des H1N1-Ausbruchs mit 15 Prozent Erkrankten, eine mittlere mit 30 Prozent und eine schwere Grippewelle, die die Hälfte der Bevölkerung erfasst. Dieser Verlauf hätte Auswirkungen auf die Produktivität und das Konsumverhalten der Menschen, die versuchen würden, eine Ansteckung zu vermeiden. Die Branchen Transport, Gastgewerbe und Kultur müssten besonders hohe Verluste hinnehmen.
Wie wahrscheinlich schon der Eintritt des ersten Szenarios wäre, ist jedoch unklar, da Erfahrungen mit früheren Pandemien fehlen. 2006 hatten Allianz und RWI eine Studie zu den möglichen Auswirkungen der Vogelgrippe vorgestellt, die von doppelt so hohen Verlusten ausgegangen war. Augurzky hält die aktuelle Situation jedoch für gefährlicher, da sich das H1N1-Virus - im Gegensatz zur Vogelgrippe - bereits von Mensch zu Mensch überträgt. Als Gegenmaßnahme kommt zuerst eine landesweite Immunisierung in Frage, die die Verluste halbieren würden. Viele Unternehmen könnten sich durch Pandemiepläne besser auf einen Ausbruch der Grippe vorbereiten, auch die Versorgung in den Krankenhäusern sei verbesserungswürdig. Schon bei der leichten Pandemie würden 45.000 Intensivbetten fehlen.
Schwärzer als das RWI sieht EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou die H1N1-Bedrohung. Sie befürchtet, dass sich jeder dritte EU-Bürger anstecken könnte und rief am Dienstag erneut zur Impfung auf. "Je höher die Zahl der geimpften Menschen ist, desto weniger kann sich die Pandemie ausbreiten", sagte Vassiliou der Tageszeitung "Die Welt".
  • Aus der FTD vom 28.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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