Merken
Drucken
01.04.2011, 10:56
Schriftgröße: AAA
Mineralbrunnen im Umbruch:
Der Siegeszug des Plastikwassers
Das Einwegpfand hat die deutsche Mineralwasserbranche umgewälzt. Discounter dominieren den Markt mit Einwegflaschen, kleine Brunnen sterben. Für die Ökobilanz ist die Plastikschwemme gar nicht so schlimm, sagen Forscher.
von Corinna Kreiler
Wie man sich täuschen kann. "Das Dosenpfand ist ein Anreiz, verstärkt zu Mehrweg zu greifen", sagte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin im Jahr 2001, nachdem das Bundeskabinett die Verpackungsnovelle beschlossen hatte.
Doch es kam ganz anders. Seit der Einführung des Pfandes im Jahr 2003 lernten die Deutschen die leichten Einwegflaschen gerade erst richtig lieben. Die Mehrwegquote ging stetig zurück, Einwegflaschen aus Plastik sind seither auf dem Vormarsch. Besonders krass ist die Entwicklung beim Mineralwasser, einem schwierigen Markt, trotz des großen Durstes der Deutschen auf das kalorienfreie Nass.
Ein Glas Mineralwasser: Kunden lieben leichte Plastikflaschen
Waren 2005 noch 55 Prozent aller verkauften Wasserpullen Mehrwegflaschen, sind es 2010 laut der Deutschen Umwelthilfe gerade noch 31 Prozent. Im selben Maße legten Einwegverpackungen immer weiter zu. Laut den Umweltschützern hat das einen einfachen Grund: "Einweg- und Mehrwegflaschen werden in denselben Pfandautomaten zurückgegeben - da erkennt kaum noch jemand den Unterschied."
Die Gewinner der Entwicklung stehen jetzt schon fest: die Discounter. Ihr Siegeszug ist so frappierend wie unaufhaltsam. Betrug ihr Marktanteil beim Wasser vor sieben Jahren noch 22 Prozent, stieg er 2009 bereits auf mehr als die Hälfte, Tendenz immer weiter steigend.
Von der Entwicklung profitiert unter anderem die Mitteldeutsche Getränke GmbH (MEG), ansässig in Sachsen-Anhalt, die mittlerweile zur Schwarz-Gruppe, also Lidl, gehört. Innerhalb weniger Jahre hat es das Unternehmen es in die Riege der Größten der Branche geschafft. Laut Schätzungen der Lebensmittelzeitung betrug der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr rund 310 Mio. Euro, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von rund zehn Prozent.
Verlierer sind die traditionellen Betriebe. Vor der Einführung des Pfandes waren Mineralbrunnen meist mittelständisch, viele kämpfen nun ums Überleben. Mehr als 50 der rund 200 Abfüller verschwanden in den vergangenen Jahren vom Markt, allein drei waren es laut Informationszentrale Deutsches Mineralwasser im Jahr 2010.
"Die mittelständischen Brunnen sterben weg, weil sie nicht mehr mithalten können", sagt Thomas Roeb, Professor an der Hochschule Rhein-Sieg und Discount-Experte. Das liegt unter anderem daran, dass die Brunnen dem Preiskampf der Großen nichts entgegenzusetzen haben: Eine 1,5-Literflasche beim Discounter kostet vielerorts nur 19 Cent - also weniger als das Pfand, das mit 25 Cent zu Buche schlägt.
Teil 2: Es gibt keine starken Marken
-
FTD.de, 01.04.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden