Der Skandal kostete UBS-Chef Oswald Grübel seinen Job: Im September 2011 flogen die ungenehmigten Geschäfte des Londoner Händlers Kweku Adoboli auf. Der aus Ghana stammende Broker hatte Wetten auf die Entwicklung verschiedener Aktienindizes abgeschlossen. Er gab an, die Risiken mit Investitionen in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) abzusichern. In Wahrheit fanden diese Gegengeschäfte aber nicht statt. Nach Darstellung der UBS verschleierte Adoboli mit den Scheingeschäften das Ausmaß der Risiken, denen er die Bank aussetzte. Unklar ist allerdings, warum Adoboli so lange damit durchkam: Die Vorwürfe gegen den Händler reichen bis in das Jahr 2008 zurück.
Über den Kopf wuchsen die riskanten Geschäfte Adoboli, als es im vergangenen Sommer zu schweren Marktturbulenzen kam. Auf seiner Facebook-Seite fanden sich damals Einträge wie: "Können wir die globalen Märkte eine Woche zumachen, damit sich alle wieder beruhigen?" Kurz vor Aufdeckung des Skandals notierte der Händler am 6. September: "Need a miracle" - Brauche ein Wunder.
Herbst 2010: Jérôme Kerviel ist im Eigenhandel der Société Générale tätig und baut Positionen im Volumen von 50 Mrd. Euro auf. Das Limit seines Handelsteams liegt bei 125 Mio. Euro. Absicherungsgeschäfte täuscht er nur vor. Nach anfänglichen Erfolgen gehen seine Indexdeals irgendwann schief, am Ende muss die französische Bank 4,9 Mrd. Euro zahlen, um den Schaden, den Kerviel angerichtet hat, wiedergutzumachen. Im Oktober 2010 wird er wegen Computermissbrauchs, Veruntreuung und Fälschung zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Zudem soll er seiner Bank den entstandenen Schaden erstatten.
April 2010: Evan Dooley von MF Global umgeht die ihm gesetzten Handelslimits und vertut sich im Februar 2008 gewaltig im Geschäft mit Weizenfutures. Am Ende laufen Verluste in Höhe von 141 Mio. Dollar auf. Das entspricht etwa der Hälfte des Jahresgewinns von MF Global. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" macht er anschließend die von ihm genutzten Computerhandelssysteme für die Verluste verantwortlich.
Im Dezember 2009 zahlt das Unternehmen eine Strafe von 10 Mio. Dollar für zu geringe Überwachung seiner Mitarbeiter. Zudem richtet die Firma einen Entschädigungsfonds für ihre Aktionäre ein. Nach Bekanntwerden des Verlustes brach die Aktie des Unternehmens ein, knapp 3 Mrd. Dollar an Marktkapitalisierung gingen verloren.
Als Mr Fünf Prozent wurde 1996 Yasuo Hamanaka, Händler bei Sumitomo berühmt. Hamanaka war Chefhändler bei dem japanischen Brokerhaus, sein Team soll zeitweise fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben. Als seine Abteilung Verluste machte, startete Hamanaka illegale Trades mit geliehenem Geld, erfand Geschäfte, um den Kupferpreis nach oben zu treiben, und fälschte Geschäftsbücher. Am Ende hatte er in zehn Jahren 2,6 Mrd. Dollar Verlust für Sumitomo angehäuft. Nach Bekanntwerden des Betrugs fiel der Kupferpreis binnen Tagesfrist um 27 Prozent. Hamanaka wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, von denen er sechs absaß.
Juni 2009: Steve Perkins vom Londoner Ölhändler PVM Oil Futures schafft es, den Ölpreis mit nicht autorisierten Trades auf ein Acht-Monats-Hoch zu treiben: Am Ende belaufen sich die Verluste des Unternehmens jedoch auf 10 Mio. Dollar. Perkins sagte später, er sei bei den Deals an einem Montagmorgen im Vollrausch gewesen, nachdem er das Wochenende auf einem feucht-fröhlichen Golfausflug gewesen sei. Die britische Financial Services Authority brummt ihm ein fünfjähriges Berufsverbot und eine Strafe von 72.000 Pfund auf.
Dem britischen "Telegraph" zufolge verlässt er jedoch schnell den Londoner Finanzdistrikt und findet kurze Zeit später eine neue Stelle bei einem Schweizer Handelsunternehmen. "Wir glauben, Steven Perkins ist ein guter Mann, der einmal eine Dummheit gemacht hat", zitiert die Zeitung eine Sprecherin von Starsupply Renewables.
David Redmond von Morgan Stanley gönnte sich im Mai 2009 eine dreieinhalbstündige Mittagspause, die er mit viel Alkohol ausfüllte. Anschließend kehrte er an sein Desk zurück und begann, mit Ölfutures zu handeln, wobei er die Richtlinien von Morgan Stanley umging und auch die Handelskonten von Kollegen nutzte. Als er merkte, dass er zu betrunken war, um zu handeln, und Verluste anhäufte, ging er nach Hause, um sich auszuschlafen.
Verkatert versuchte er am nächsten Morgen, seine Positionen glattzustellen, was misslang. Insgesamt standen die Deals von Redmond für 30 Prozent aller an diesen Tagen auf den WTI-Ölpreis gehandelten Futures. Morgan Stanley wurde nicht bestraft, David Redmond erhielt von der britischen FSA ein Berufsverbot von mindestens zwei Jahren.
John Rusnak bescherte seinem Arbeitgeber Allfirst, der amerikanischen Tochter von Allied Irish Bank, mit illegalen Deals einen Verlust von 691 Mio. Dollar. Rusnak wurde zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er sechs absaß, er soll zudem der Bank die Verluste ersetzen. Er gab zu, zwischen 1997 und 2001 ein Betrugssystem aufgebaut zu haben, das ihm 850.000 Dollar an Lohn und Boni einbrachte.
Insgesamt vier ehemalige Devisenhändler der National Australia Bank (NAB), David Bullen, Gianni Gray, Luke Duffy und Vince Ficarra, wurden 2006 von einem australischen Gericht wegen Betrugs zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die vier hatten, um ihre Boni zu erhöhen und Verluste zu verschleiern, betrügerische Geschäfte geschlossen. Die Aktionen der vier kosteten die NAB 360 Mio. Dollar. Eine Reihe von Vorständen musste damals gehen, die Reputation der Bank war auf Jahre hinaus beschädigt.
Bullen konvertierte zum Buddhismus und schrieb ein Buch mit dem Titel "Fake: My Life as a Rogue Trader". Vor Gericht sagten Ficarra und Bullen aus, am Trading-Desk der NAB habe eine "Kultur der Angst und Einschüchterung" geherrscht. Nur Gewinn habe gezählt, wer den Handelsraum verlassen habe, sei als Verräter beschimpft worden.
Alexis Stenfors von Merrill Lynch bekam von der britischen FSA ein fünfjähriges Berufsverbot auferlegt. Der Devisenhändler hatte immer riskantere Geschäfte aufgezogen, um seine Verluste auszugleichen. Er täuschte dabei gleichzeitig seinem Arbeitgeber falsche Beträge vor. Der Betrug flog auf, als der Händler in Urlaub war und seine Handelsbücher überprüft wurden.
Der Investmentbank Merrill Lynch brachte die Aktion eine Abschreibung von 456 Mio. Dollar ein. Der damals 39-jährige Stenfors selbst entschuldigte sich später und sagte britischen Zeitungen zufolge: "Das Leben eines Händlers ist voller Stress. Aus vielen Gründen fand ich mein Arbeitsumfeld sehr unangenehm. Diese ganze Geschichte hat mich dazu gebracht, mein Leben zu überdenken und von nun an etwas komplett anderes zu tun. Ich werde nie mehr in der Londoner City arbeiten."
Orlando Joseph Jett war Anleihehändler bei der General-Electric-Tochter Kidder Peabody. Um Verluste zu verschleiern, erfand der Händler, der zuvor bei Morgan Stanley und First Boston tätig war, Gewinne von 350 Mio. Dollar. Im September 2007 wurde er dazu verurteilt, 8,2 Mio. Dollar an Verlusten zu ersetzen und eine Strafe von 200.000 Dollar zu zahlen.
Der Handelsskandal führte dazu, dass General Electric das Unternehmen an Paine Webber verkaufte, das heute zur UBS gehört. Jett bekam ein Berufsverbot als Händler und gründete die Finanzberatung und Vermögensverwaltung Jett Capital Management.
Im Jahr 1995 verursachte der Futures-Händler Nick Leeson den Zusammenbruch der traditionsreichen britischen Bank Barings. 1717 gegründet, war Barings die älteste britische Investmentbank. Sie finanzierte unter anderem 1803 den Kauf von Louisiana durch die USA. ING übernahm 1995 die Reste des Instituts zum symbolischen Preis von 1 Pfund. Leeson häufte für Barings ein Minus von 1,4 Mrd. Dollar an. Verluste verbuchte er auf einem Geheimkonto, die fiktiven Gewinne gingen auf das Firmenkonto.
Der in Singapur tätige Leeson wurde in dem asiatischen Staatstadt wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Er schrieb zwei Bücher über seine Geschichte, die mit Ewan McGregor in der Hauptrolle 1999 verfilmt wurde. Der an Krebs erkrankte Ex-Händler engagiert sich in der Krebsforschung. Seiner Internetseite zufolge war er von Juli 2007 bis Januar 2011 CEO des irischen Fußballklubs Galway United. Er ist weiterhin Vertreter des Klubs beim irischen Fußballverband.
Harshad Mehta gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Rally am indischen Aktienmarkt im Jahr 1992. Er wurde als Tophändler Indiens bewundert und trug den Spitznamen "Big Bull". Gemeinsam mit mehreren Kollegen soll er Schlupflöcher im Interbankenhandel genutzt haben und sich so illegal Geld beschafft haben. Dies setzte er für Aktienkäufe ein. Als der Betrug bekannt wurde, forderten die Banken ihr Geld zurück, der Leitindex Sensex brach ein. Mehta wurde 72 verschiedener Vergehen angeklagt, mehr als 600 Zivilprozesse wurden gegen ihn angestrengt. Mehta starb 2002 im Gefängnis. Seine Geschichte wurde unter dem Titel Gafla in Indien verfilmt.