Die Abwicklung einer so großen Bank wie der WestLB mit 4300 Vollzeitstellen und 191 Mrd. Euro Bilanzsumme ist bislang einmalig in der deutschen Bankenlandschaft - und im Detail hochkompliziert. Nach mehreren staatlichen Beihilfen muss die WestLB auf Druck Brüssels bis Ende Juni 2012 vom Markt verschwinden. Damit der Eigentümer, das Land Nordrhein-Westfalen, aber auch nach diesem Datum noch Teile der Bank verkaufen kann, muss das Institut zeitgleich weiter Neugeschäft betreiben, ohne dabei die Brüsseler Vorgaben zum Arbeitsplatzabbau zu missachten. Zugleich werden unverkäufliche Bereiche eingestellt - zuletzt waren mehrere Versuche, wichtige Teile der Bank zu veräußern, gescheitert.
Das Institut müsse unverändert einen reibungslosen Bankbetrieb sicherstellen, was zu einer paradoxen Situation führe, schrieb Bankchef Dietrich Voigtländer am Mittwoch in einem Brief an die betroffenen Mitarbeiter. "Während erkennbar ist, dass ein Teil der Belegschaft keine Perspektive mehr auf einen dauerhaften Arbeitsplatz hat, ist gleichzeitig ein anderer Teil unverzichtbar, um den Umbau sowohl zur Verbundbank wie auch zu einer SPM-Bank voranzutreiben."
Diese Service- und Portfoliomanagement-Bank (SPM) ist die Rechtsnachfolgerin der WestLB. Sie wird künftig allein von Nordrhein-Westfalen kontrolliert. Sie darf ihre Dienstleistungen - im Wesentlichen die Abwicklung von Wertpapieren und Krediten - auch Dritten anbieten. Da sie dabei weiter auf guten Kontakt zu Kunden angewiesen ist, darf sie bei ihrer Abwicklung nicht brutal vorgehen.
Kein gutes Vorbild in dieser Hinsicht ist die HypoVereinsbank (HVB), die deutsche Tochter der italienischen Unicredit. Sie hatte jüngst quasi über Nacht Aktienanalyse und Aktienhandel eingestellt und sich den Ärger zahlreicher Industrieunternehmenskunden zugezogen.
Die Zahl der Mitarbeiter muss die WestLB trotzdem radikal senken. Bis 2016 darf die SPM maximal 1000 Vollzeitkräfte beschäftigen. Unverkäufliche Vermögenswerte werden in die vorhandene Abwicklungsanstalt verschoben. Der dazu notwendige Abwicklungsplan muss bis Anfang März erstellt sein. Zunächst erhalten die Mitarbeiter freiwillige Abfindungsangebote. Wer das Angebot ausschlägt, muss jedoch zu einem späteren Zeitpunkt mit betriebsbedingter Kündigung rechnen. Dies ist nur bis Ende 2012 ausgeschlossen. Die Kosten des Stellenabbaus werden in die Milliarden gehen und den Haushalt des Landes auf Jahre belasten.
Für rund 400 WestLB-Mitarbeiter gibt es jedoch aller Voraussicht nach eine Zukunft bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Helaba will das sparkassennahe Verbundgeschäft sowie Teile des Firmenkundengeschäfts der WestLB bei sich integrieren. Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus.
Rolf Gerlach, der Präsident des beteiligten westfälischen Sparkassenverbands, äußerte sich am Dienstagabend auf der Jahrespressekonferenz seiner Organisation, aber zuversichtlich, dass das "Vorhaben zum 30. Juni von allen Beteiligten pünktlich ins Ziel getragen wird". Die Helaba werde sich aber erst auf Grundlage des WestLB-Jahresabschlusses 2011 entscheiden. "Das setzt diese Zahlenbasis voraus." Dem Vernehmen nach muss die Verbundbank zudem bis Ende April bewertet werden.
Die NRW-Sparkassen seien jedenfalls bereit, ihr Verbundgeschäft - etwa den Auslandszahlungsverkehr oder gemeinsames Kreditgeschäft - über die Helaba abzuwickeln statt wie früher über die WestLB. Das soll per Rahmenvertrag festgehalten werden.