Die neuen Leitlinien geben US-Instituten mehr Spielraum, bei der Bewertung ihrer Ramschpapiere vom aktuellen Marktwert (Fair Value) abzuweichen. Sie gelten bereits für das erste Quartal 2009 - Analysten schätzen, dass US-Banken damit den Abschreibungsdruck lindern und ihr Nettoergebnis im ersten Quartal um 20 Prozent verbessern können.
Ungeachtet der G20-Absichtserklärungen für eine globale Angleichung der Bilanzregeln setzt der einseitige Schritt der Amerikaner das für Europa und für den Rest der Welt zuständige Bilanzgremium International Accounting Standards Board (IASB) in London unter Handlungsdruck. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Rande des EU-Frühjahrsgipfels vor zwei Wochen gesagt, er beobachte die Debatte in den USA "sehr aufmerksam", das IASB müsse sich schnell "mit dem Problem beschäftigen". Andernfalls drohten hiesigen Banken weitere Abschreibungen.
Das IASB jedoch sperrt sich dagegen, den Amerikanern rasch zu folgen. Es hat zwar eine Konsultation eingeleitet, um die Meinung von Aufsehern, Regierungen und Banken zum Vorstoß des Financial Accounting Standards Boards (FASB) einzuholen. Die Treuhänder, die das IASB überwachen, wollen aber an der laufenden, gründlichen Überarbeitung der Bilanzregeln festhalten, statt "weiter stückchenweise Änderungen zu machen", teilte das IASB mit. Der Vorschlag solle in sechs Monaten vorliegen.
Der FASB-Vorstoß erweitert die Möglichkeiten, Papiere nicht mehr auf Basis von Preisen aus Notverkäufen zu bewerten, sondern nach günstigeren Annahmen. Dies ist auch in den USA umstritten. Investoren fürchten, dass Bankbilanzen dadurch noch undurchsichtiger werden.