Rolf Gerlach
Er gab ein wenig den Präsidenten aller Sparkassen an jenem Mittwoch im August. Kommt alles nach seinem Wunsch, könnte daraus im Mai nächsten Jahres Wirklichkeit werden. Denn Heinrich Haasis hatte vergangene Woche sein Amt als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zur Verfügung gestellt - obwohl der 66-Jährige unlängst noch signalisiert hatte, um zwei Jahre zu verlängern. Gerlach vermeldete sofort seine Kandidatur. Als interessiert gilt er schon lange.
Es geht nicht um irgendeine Interessenvertretung: Gerlach wäre der Oberlobbyist der gemessen an der Kundenzahl wichtigsten deutschen Bankengruppe. Der DSGV-Präsident vertritt in erster Linie die Sparkassen, aber auch die Landesbanken. Geht jemand der Organisation ans Leder, seien es strenge Regulierer, die Konkurrenz oder die Wettbewerbshüter in Brüssel, die das deutsche Drei-Säulen-Modell aus privaten Banken, Genossen und Sparkassen aufbrechen wollen, muss er sie verteidigen. Die Sparkassen sind ein Staat im Staate, ein "Leviathan", wie es selbst Sympathisanten beschreiben - über ihr Spendenwesen aufs engste verbunden mit Bürgermeistern und Landräten. Nur selten wagt ein Bundespolitiker die Konfrontation mit der roten Macht.
Gerlach kennt diese Landschaft wie kaum ein Zweiter. Seit über 30 Jahren ist der 57-Jährige für die Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen tätig. Erst eine Lehre zum Bankkaufmann, dann Studium der Volkswirtschaft, Promotion. Seit 16 Jahren ist er Präsident des Sparkassenverbandes in Westfalen-Lippe. Mit fast zwei Metern Körpergröße ist der gebürtige Westfale kaum zu übersehen, wenn er den Raum betritt. "Er ist ein großer Demagoge, er kann mit einer Versammlung, mit Ängsten spielen", sagt einer, der ihn gut kennt. Er bereite sich immer sehr gut vor. "Tiefes historisches Wissen" über die Verfassung der Sparkassenorganisation sei seine große Stärke.
Aus der Ruhe bringen lässt er sich selten. Wenn hart verhandelt wird, bestellt Gerlach erst einmal eine Kanne grünen Tee, dann kann der Abend lang werden. Stets umgibt ihn eine Aura unerschütterlichen Optimismus: die Krise Europas? "Bewältigbar." Die Neuordnung des Ostblocks sei ein viel größeres Unterfangen gewesen.