Deutschlands zweitgrößte Bank hat im Geschäftsjahr 2011 mit 638 Mio. Euro mehr verdient als zuvor erwartet. Der Bestand an griechischen Staatsanleihen wurde um weitere 700 Mio. Euro abgeschrieben. Unklar ist die Zukunft der Krisentochter Eurohypo.
von Frank Bremser
Die Commerzbank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Konzernergebnis von 638 Mio. Euro erzielt und damit besser abgeschnitten als erwartet. Analysten hatten mit dem herben Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent gerechnet. In vierten Quartal steigerte die Bank das Konzern das Ergebnis auf 316 Mio. Euro. Hierin enthalten ist aber ein positiver Einmaleffekt aus dem Rückkauf hybrider Eigenmittelinstrumente in Höhe von 735 Mio. Euro.
Angesichts des anstehenden Schuldenschnitts in Griechenland hat die Bank ihren Bestand an Griechenanleihen um 0,7 Mrd. Euro weiter nach unten korrigiert, auf nun insgesamt rund 26 Prozent. Die Commerzbank hatte bereits im dritten Quartal ihre Griechenland-Papiere um 52 Prozent wertberichtigt und dafür 1,6 Mrd. Euro Verlust verbucht. Das gesamte Staatsanleihen-Exposure in den Krisenstaaten beziffert die Bank auf 12,3 Mrd. Euro, 4,5 Mrd. Euro weniger als 2010. Das Unternehmenssegment Asset Based Finance, zu dem auch die Eurohypo gehört, habe unter anderem deswegen ein operative Minus von 3,9 Mrd. Euro eingefahren
Für das laufende Jahr rechnet Bankchef Martin Blessing mit einer kontinuierlichen Erhöhung des operativen Gewinns, nennt aber keine konkreten Zahlen. "Die mit der europäischen Staatsschuldenkrise einhergehende hohe Unsicherheit wird uns jedoch weiterhin vor Herausforderungen stellen", sagte Blessing.
Bei der Erfüllung der höheren Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA ist die Commerzbank zudem weitergekommen. Das ursprünglich 5,3 Mrd. Euro große Kapital-Loch ist nach Berechnungen der Bank inzwischen auf rund 1,8 Mrd. Euro geschrumpft. Um dies weiter zu senken, wird die Bank ihr Eigenkapital mit einem Umtausch von Hybridpapieren in neue Aktien um mehr als 1 Mrd. Euro stärken.
Investoren könnten hybride, nachrangige und andere Finanzinstrumente in einem Nominalvolumen von bis zu 3,16 Mrd. Euro zu Preisen unter dem Nennwert in Commerzbank-Aktien eintauschen, teilte die Bank mit. Die Frist dafür beginnt am Donnerstag und läuft bis zum 2. März. Die Bank erhöht dafür ihr Grundkapital um zehn Prozent. Mit dem Schritt werde sich das Core-Tier-1-Kapital um mehr als 1 Mrd. Euro erhöhen. Er sei aber nicht Teil der Kapitalaufstockungs-Aktion auf Geheiß der EU-Bankenaufsicht EBA.
Der Bankenrettungsfonds Soffin will seine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie an der Commerzbank halten und wandelt dazu einen Teil seiner verbliebenen Stillen Einlage in Aktien aus dem vorhandenen bedingten Kapital um. Die Commerzbank hatte bereits Ende vergangenen Jahres Hybridpapiere unter dem Nennwert zurückgekauft, allerdings in bar bezahlt.
Man könne die EBA-Anforderung bis zum Stichtag 30. Juni 2012 aus eigener Kraft erfüllen, teilte die Bank mit. Bankchef Martin Blessing sagte: "Wir haben ein starkes und tragfähiges Maßnahmenpaket zur Erfüllung der EBA-Kapitalanforderungen vorgelegt und liegen bei der Umsetzung voll auf Kurs."
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