Der geplante Stellenabbau bei der Commerzbank nimmt immer deutlichere Züge an. Wegen des Niedrigzinsumfelds und der Zurückhaltung der Kunden prüfe die Bank den Abbau von mehr als 1000 Stellen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen. Der Vorstand spiele Szenarien durch, wie die Kosten an die Kundenbasis angepasst werden können.
Die Überlegungen zum Privatkundengeschäft sind Teil einer neuen Strategie, mit der die Commerzbank die Weichen bis 2016 stellen will. Die 2009 formulierten Ziele mit einem operativen Gewinn von 4 Mrd. Euro sind längst Makulatur. Nach dem Rückzug aus der Immobilien- und Schiffsfinanzierung kommt es mehr denn je auf das Privatkundengeschäft an, das größte Segment des Konzerns.
Inzwischen hätten auch die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat über eine sozialverträgliche Einigung begonnen, sagten Insider. Im schlimmsten Fall könnten rund 25 Prozent aller Stellen im Filialgeschäft fortfallen. Eine Sprecherin des zweitgrößten deutschen Geldinstituts wollte sich nicht dazu äußern.
Am 8. November will die Commerzbank ihren Plan zur Neupositionierung des Filialgeschäfts vorlegen. Nicht ausgeschlossen ist, dass parallel zum Stellenabbau einige der 1500 Filialen in Deutschland geschlossen werden, die Kundenbetreuer länger arbeiten müssen und das Onlineangebot ausgebaut wird.
Der Druck kommt vor allem von den Ergebnissen: Im Privatkundengeschäft war der operative Gewinn der Bank im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 14 Mio. Euro gesunken. Hintergrund sind vor allem geringere Zins- und Provisionsgewinne. Ohne die Gewinne der Internettochter Comdirect wäre dieser Bereich sogar unprofitabel, hatte Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels Anfang August gesagt.
Bloomberg, FTD