Der Einstieg ist die Reaktion auf die derzeit schwierigen Refinanzierungsbedingungen. Das große Misstrauen in die Solvenz der südeuropäischen Staaten macht es für Geldhäuser dieser Länder beinahe unmöglich, sich über Anleihen am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Sie können sich zwar bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld leihen, müssen dafür aber Sicherheiten hinterlegen; diese stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung.
Umso stärker sind sie auf Kundengelder angewiesen. Der Konkurrenzkampf führt dazu, dass Banken für Spareinlagen hohe Zinsen bieten. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vom Juli lagen die Zinsen für Festgeldanlagen in den europäischen Peripheriestaaten im Schnitt einen Prozentpunkt höher als in den Ländern Kerneuropas. Die UBI Banca setzt sich deshalb mit ihrem Angebot in Deutschland an die Spitze, obwohl sie auf ihrem Heimatmarkt nicht einmal zu den Topanbietern zählt.
Nach Ansicht von Max Herbst, Chef der FMH Finanzberatung in Frankfurt, könnte der Schritt weitere Häuser veranlassen, ihre Konditionen anzuheben. Deutsche Sparer würden somit indirekt von den Refinanzierungsnöten der Banken in Südeuropa profitieren. Dabei herrscht hierzulande schon ein intensiver Wettbewerb um das Geld der Anleger.
Die durchschnittliche Verzinsung für Tagesgeldkonten liegt in Deutschland seit einiger Zeit über dem Leitzins, was sehr selten vorkommt. Herbst zufolge gab es diese Konstellation zuletzt 1997, als viele Onlinebroker in den Markt drängten.