Ohne die Grillos gäbe es Schalke nicht. Als Friedrich Grillo 1855 in das Örtchen kommt, ist es nicht viel mehr als eine Brache mit 300 Einwohnern. Grillo kauft ein paar Kohlefelder - und 20 Jahre später ist Schalke eine aufstrebende Stadt mit Zechen, Walz- und Chemiewerken, mit Glas- und Spiegelmanufaktur, aber auch mit Schulen und Parks. Spätestens seit Friedrich ist der Name Grillo (italienisch: Grille) im Ruhrgebiet so bekannt wie Haniel oder Stinnes.
Aus einem traditionsreicheren Familienunternehmen könnte der künftige Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, kaum kommen: Vor 170 Jahren wurde das Vorläuferunternehmen der heutigen Duisburger Grillo-Werke gegründet. Fast ununterbrochen war der Betrieb, der heute zu den weltweit größten Zinkverarbeitern zählt, in all den Jahren komplett in Familienhand. Denn die 150 Familienaktionäre dürfen ihre vinkulierten Namensaktien nur mit Zustimmung des Aufsichtsrates und Vorstandes weitergeben.
Die Verantwortung für die Firma abzugeben, kommt daher für Grillo auch künftig nicht infrage. Trotz seines neuen Jobs in Berlin will der die Familienfirma mit 600 Mio. Euro Umsatz als Vorstandsvorsitzender auch künftig weiterführen: "Es kann nicht schaden, nebenbei in operativer Verantwortung zu bleiben - da hebt man nicht ab und wird geerdet", sagte der 52-Jährige der FTD. Zudem habe er gute Führungskräfte und könne das Unternehmen dank moderner Elektronik von überallher steuern.
Wer die Grillos näher kennt, beschreibt die in Mülheim an der Ruhr lebende Familie tatsächlich als bodenständig. Sie sei "auskömmlich betucht", so ein Insider, und genieße ihren Wohlstand, ohne dabei zu vergessen, dass dieser nicht für jeden selbstverständlich sei. "Ulrich Grillo kann ein gutes Essen noch genießen." Zugleich strahle er die Unabhängigkeit eines Familienunternehmers und Firmeninhabers aus, der auf Weniges Rücksicht nehmen muss. "Er braucht kein Amt, um irgendwer zu sein."
Auf diese Art von Unabhängigkeit setzen viele im BDI, die nach einem Ex-Konzernchef wie dem amtierenden BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel nun einen Mittelständler wieder an der Spitze sehen wollen. Denn Grillo ist dafür bekannt, dass er Klartext redet und in Kauf nimmt, dass er damit aneckt. "Grillo provoziert gern in seinen Reden", sagt der Vertreter eines kleineren Mitgliedsverbandes.
In diesen Reihen wird dem gelernten Bankkaufmann und studierten Betriebswirt hoch angerechnet, dass er die Rohstoffallianz der deutschen Industrie gegen anfänglichen Widerstand durchsetzte.
Der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte den Plan, deutschen Unternehmen den Zugang zu seltenen Rohstoffen mit Hilfe der Politik zu erleichtern, anfangs als "VEB Rohstoffe" tituliert. Doch Grillo trieb das Vorhaben unbeirrt voran und gewann viele deutsche Großunternehmen, darunter BASF , Daimler und ThyssenKrupp , als Gründungsmitglieder. Inzwischen wurde die Rohstoffallianz als GmbH ins Handelsregister eingetragen. "Grillo kennt die Sorgen des Mittelstands aus eigener Anschauung", heißt es in Industriekreisen weiter; daher stehe bei ihm das Thema Energie neben den Rohstoffen an erster Stelle. Themen, die auch seine Arbeit bei der mittelständischen Wirtschaftsvereinigung Metalle, der Lobby der Nichteisen-Industrie, stark prägten. Es ist das erste Mal, dass dieser Verband den Industriepräsidenten stellt.
Doch Grillo allein im Mittelstand zu verorten, greift zu kurz. Er gilt als bestens vernetzt, was er neben der familiären Herkunft wohl auch seinen Stationen bei den Unternehmensberatungen ArthurAndersen und AT Kearney sowie bei Rheinmetall zu verdanken hat. In dem Düsseldorfer Rüstungskonzern stieg Grillo bis zum stellvertretenden Chef der Rüstungssparte auf. Seit 2001 führt er die Grillo-Werke mit ihren 1600 Beschäftigten, in deren langer Geschichte es nie betriebsbedingte Kündigungen gab.
Privat ist über Grillo wenig bekannt. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter von 14 und 18 Jahren, so viel gibt er preis. In seiner Freizeit spielt er Golf oder trainiert im hauseigenen Fitnesskeller. Mülheim an der Ruhr bleibe auch in den nächsten Jahren sein Lebensmittelpunkt, sagt Grillo. Und doch: Der raue Ruhrgebietsslang ist schon ein wenig der Berliner Diplomatie gewichen, wenn die Rede auf die Kanzlerin kommt: "Ich habe großen Respekt vor Frau Merkel, wie sie beim Euro den Rücken gerade hält."