Ökokämpfer gegen Ökostrom: Mit einem Bürgerbegehren wollen Thomas Büchner (l.) und Christoph Raabs zwei Solarprojekte auf der oberfränkischen Scholle verhindern
Ja, wollen wir Deutschen das? Riesige Solarfelder, vielleicht auch Windmühlen allerorts? Oder doch lieber Kern- und Kohlekraft? Sicher ist nur eins: Wer hierzulande egal welche Energie erzeugen will, der braucht starke Nerven.
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Bürger nur gegen Atomkraftwerke auf die Barrikaden gingen. Der zivile Widerstand gegen Kohlekraftwerke und Hochspannungsleitungen hat sich in den vergangenen Jahren zur Massenbewegung ausgewachsen. Und nun richtet sich der Volkszorn auch gegen die regenerativen Energien - quer durch die Republik. In der norddeutschen Tiefebene machen Bürgerinitiativen mobil gegen Biomasseanlagen, an den Küsten und im windigen Brandenburg gegen die Windmühlen, im bergigen, sonnenverwöhnten Süden gegen Wasserwerke und Solarparks. Dagegensein hat Hochkonjunktur.
Das zeigt der Fall Münster am Lech. Die 1064 Einwohner des Dorfes bei Augsburg haben kürzlich per Bürgerentscheid einen Solarpark verhindert. Zu groß waren ihre Befürchtungen, die unheimlichen blauschwarzen Platten könnten Strahlen aussenden, merkwürdige Geräusche bei Regen von sich geben, Fehlgeburten verursachen - und vor allem ihre schöne bayerisch-schwäbische Landschaft verschandeln.
Im oberfränkischen Neustadt bangt Bürgermeister Frank Rebhan nun umso mehr um das Solarprojekt: trotz eines 23:1-Votums im Gemeinderat für die Parks, die der Neustädter Anlagenbauer Gehrlicher Solar errichten will. "Was hier passiert, ist ein Stück aus Absurdistan", ärgert sich der SPD-Politiker. "Die Leute handeln nicht mehr rational." Seit Monaten melden sich verängstigte Bürger bei ihm, voller Sorge vor Lernstörungen, Fehlgeburten, Krebserkrankungen. Ein Nachbarbauer fürchtet um die ausreichende Belüftung seines Schweinestalls, sogar ein Wünschelrutengänger sprach bei Rebhan vor. "Alles, was mit Energie zusammenhängt, ist seit Jahren ideologisiert", klagt der Bürgermeister. "Eins haben die Leute gelernt: Man muss nur laut genug dagegen sein, dann kann man alles verhindern."