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Merken   Drucken   18.07.2011, 09:05 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: "Wir bleiben der Euro-Anker"

EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert im FTD-Interview von Regierungen mehr Bewusstsein für ihre Verantwortung und verbale Disziplin. Die Europäer werden seiner Ansicht nach die Krise überwinden.
© Bild: 2011 FTD/Alex Kraus
Interview EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert im FTD-Interview von Regierungen mehr Bewusstsein für ihre Verantwortung und verbale Disziplin. Die Europäer werden seiner Ansicht nach die Krise überwinden.

FTD: Die Euro-Krise frisst sich von der Peripherie ins Herz der Euro-Zone. Ist der Euro in Gefahr?

EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert von den Regierungen mehr ...   EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert von den Regierungen mehr Veranwortungsbewusstsein

Jean-Claude Trichet: Nein, nicht der Euro. Der Euro ist eine Währung, und die Europäische Zentralbank ist für sie verantwortlich. Der Euro ist eine sehr glaubwürdige Währung. Er ist stabil und hat seinen Wert in den vergangenen zwölf Jahren bemerkenswert gut erhalten. Das ist es, was der EU-Vertrag von der EZB fordert. Es ist das, was die Bürgerinnen und Bürger in Europa und in Deutschland verlangen. Und es steht im Einklang mit dem Ziel des EZB-Rats, einer Preissteigerungsrate von mittelfristig unter, aber nahe zwei Prozent. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate lag in den vergangenen zwölf Jahren bei 1,97 Prozent. Dieses Ergebnis ist besser als die Resultate, die in den vergangenen 50 Jahren über einen Zwölf-Jahres-Zeitraum erzielt wurden. In Deutschland wurde für Preisstabilität mit einer durchschnittlichen jährlichen Teuerungsrate von 1,5 Prozent von Anfang 1999 bis Ende 2010 sogar ein noch beeindruckenderer Wert verzeichnet.

FTD: Ist das Krisengerede also Übertreibung?

Trichet: Es gibt derzeit ernst zu nehmende Probleme, die mit schlechten Staatsfinanzen und in der Folge mit Finanzstabilität zu tun haben. Aber diese Probleme liegen in der Verantwortung der betroffenen Regierungen. Jede Regierung muss ihren Haushalt in Ordnung halten. Außerdem sind die EU-Kommission und alle Regierungen dafür verantwortlich sicherzustellen, dass die Haushaltspolitik aller Länder des Euro-Raums im Einklang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt fortlaufend begutachtet und überwacht wird. Wir haben unseren Standpunkt, dass die Regierungen ihrer Verantwortung nachkommen müssen, stets öffentlich vertreten.

Berlins abwartende Haltung bei der Euro-Rettung ist...

 

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FTD: Ist die Krise für die Europäer noch beherrschbar, nachdem die Märkte nun auch Italien und Spanien das Vertrauen entziehen?

Trichet: Selbstverständlich können die Europäer diese Situation meistern. Hier geht es nicht um technische Fragen, sondern um Willen und Entschlossenheit. Zudem ist die Lage auf Ebene des gesamten Euro-Raums solider als in vergleichbaren fortgeschrittenen Volkswirtschaften. So wird das Euro-Gebiet für 2011 beispielsweise ein Haushaltsdefizit von rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts aufweisen, während der entsprechende Wert für die USA und Japan etwa zehn Prozent betragen dürfte.

FTD: Die EZB lehnt die Beteiligung von Privatgläubigern am zweiten Rettungspaket für Griechenland mit dem Argument ab, so ein Vorgehen sei in solchen Fällen international unüblich. Doch selbst der Internationale Währungsfonds unterstützt jetzt die Privatgläubigerbeteiligung. Warum sträubt sich die EZB weiter?

Trichet: Wenn Sie die Äußerungen des IWF genau studieren, werden Sie sehen, dass dieser weitaus vorsichtiger ist. Sie kennen jedenfalls die Haltung des EZB-Rats zu Griechenland, die ich bei unserer letzten Pressekonferenz wiederholt habe. Um es allgemeiner auszudrücken: Weltweit kann der private Sektor am besten in Form von ausländischen Direktinvestitionen, Privatisierung und durch die schnellstmögliche Rückkehr zur Finanzierung am Markt beteiligt werden.

FTD: Bleibt die EZB bei ihrer Linie, dass man jede Lösung in Griechenland vermeiden muss, die ein Kreditereignis, einen teilweisen Zahlungsausfall und einen Zahlungsausfall auslöst?

Trichet: Der EZB-Rat hat seine diesbezügliche Position nicht geändert. Auch hier handelt es sich um einen Bereich, für den die Regierungen die Verantwortung tragen. Unsere Pflicht ist es, klar zu kommunizieren, welche Maßnahmen wir für angemessen halten, um das Risiko von negativen Entwicklungen im Euro-Raum und in Europa zu vermeiden. Wie Sie wissen, wurden unsere Ratschläge in der Vergangenheit mehrmals nicht befolgt. Dies war beispielsweise der Fall, als wir uns nachdrücklich dagegen ausgesprochen haben, den Wortlaut und den Geist des Stabilitäts- und Wachstumspakts aufzuweichen. Wäre dieser Ratschlag beherzigt worden, hätten einige der heutigen Probleme vielleicht vermieden werden können.

Teil 2: Was tut die EZB im Kampf gegen die Krise?

  • FTD.de, 18.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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