FTD: Ist die Krise für die Europäer noch beherrschbar, nachdem die Märkte nun auch Italien und Spanien das Vertrauen entziehen?
Trichet: Selbstverständlich können die Europäer diese Situation meistern. Hier geht es nicht um technische Fragen, sondern um Willen und Entschlossenheit. Zudem ist die Lage auf Ebene des gesamten Euro-Raums solider als in vergleichbaren fortgeschrittenen Volkswirtschaften. So wird das Euro-Gebiet für 2011 beispielsweise ein Haushaltsdefizit von rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts aufweisen, während der entsprechende Wert für die USA und Japan etwa zehn Prozent betragen dürfte.
FTD: Die EZB lehnt die Beteiligung von Privatgläubigern am zweiten Rettungspaket für Griechenland mit dem Argument ab, so ein Vorgehen sei in solchen Fällen international unüblich. Doch selbst der Internationale Währungsfonds unterstützt jetzt die Privatgläubigerbeteiligung. Warum sträubt sich die EZB weiter?
Trichet: Wenn Sie die Äußerungen des IWF genau studieren, werden Sie sehen, dass dieser weitaus vorsichtiger ist. Sie kennen jedenfalls die Haltung des EZB-Rats zu Griechenland, die ich bei unserer letzten Pressekonferenz wiederholt habe. Um es allgemeiner auszudrücken: Weltweit kann der private Sektor am besten in Form von ausländischen Direktinvestitionen, Privatisierung und durch die schnellstmögliche Rückkehr zur Finanzierung am Markt beteiligt werden.
FTD: Bleibt die EZB bei ihrer Linie, dass man jede Lösung in Griechenland vermeiden muss, die ein Kreditereignis, einen teilweisen Zahlungsausfall und einen Zahlungsausfall auslöst?
Trichet: Der EZB-Rat hat seine diesbezügliche Position nicht geändert. Auch hier handelt es sich um einen Bereich, für den die Regierungen die Verantwortung tragen. Unsere Pflicht ist es, klar zu kommunizieren, welche Maßnahmen wir für angemessen halten, um das Risiko von negativen Entwicklungen im Euro-Raum und in Europa zu vermeiden. Wie Sie wissen, wurden unsere Ratschläge in der Vergangenheit mehrmals nicht befolgt. Dies war beispielsweise der Fall, als wir uns nachdrücklich dagegen ausgesprochen haben, den Wortlaut und den Geist des Stabilitäts- und Wachstumspakts aufzuweichen. Wäre dieser Ratschlag beherzigt worden, hätten einige der heutigen Probleme vielleicht vermieden werden können.