Ab 20 Uhr spielen sich in Davos große Teile des gesellschaftlichen Lebens im Hotel Belvedere ab. Firmen, die etwas auf sich halten, mieten hier Konferenzraeume und veranstalten darin Parties, Empfänge oder Abendessen - natürlich nicht, ohne eine wohlüberlegt zusammengestellte geführte Gästeliste anzulegen. Der Zugang wird von einer Horde Models bewacht, denen junge Männer mit einem Funkknopf im Ohr assistieren.
Drinnen ist es dann meist voll und laut, und es sehen sich Leute, die sich sowieso die ganze Woche auch sehen und fragen sich, wer denn noch so alles da ist. Der Geheimtipp des Hotels ist daher der unscheinbare Keller, in dem die Prüfungsgesellschaft PWC eine Lounge mit dezenter Musik und sanftem Licht eingerichtet hat. Hier ziehen sich viele Davos-Promis zurück, wenn sie ihre Ruhe haben wollen - obwohl das Konzept ironischerweise darin besteht, dass jeder hinein darf und der Zugang ganz unglamourös schlicht gar nicht kontrolliert wird.
Das kommt so gut an, dass Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann am Mittwoch Abend vergeblich einen Platz suchte. Am Donnerstag unterhielt ein bestens gelaunter
Easyjet -Gründer Stelios Haji-Ioannou die halbe Lounge mit Anekdoten und Frotzeleien, während zwei Tische weiter Hessens Ministerpräsident Roland Koch eine Auszeit von der "Frankfurt meets Davos"-Party nahm.
Später zog es Haji-Ioannou dann aber doch noch woanders hin. "Ich gehe jetzt zur McKinsey-Party. Wer kommt mit?", fragte er in die Runde. "Ich bin leider nicht eingeladen", entgegnete eine Dame einen Tisch weiter. "Egal. Hier ist doch niemand irgendwo eingeladen und kommt trotzdem überall rein", definierte der Brite das Party-Prinzip im Belvedere.
Christian Kirchner