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FTD-Serie: Urheberrecht im Umbruch

Digitalisierung und Internet haben das Urheberrecht vielfach ausgehebelt - die  Geschäftsmodelle der betroffenen Branchen stehen auf dem Spiel. Welche das sind und wie sie reagieren, beschreibt die FTD in einer Serie.
Merken   Drucken   26.10.2009, 14:23 Schriftgröße: AAA

Urheberrecht: China legt sich mit Google an

In den Streit um die Buchsuche des Internetkonzerns mischt sich nun auch Peking ein. Der Urheberrechtsverband des Landes will mit Google über eine Entschädigung chinesischer Autoren verhandeln, deren Bücher eingescannt wurden.
von Kathrin Hille, Peking

Der chinesische Urheberrechtsverband CWWCS Google zu Verhandlungen über eine Entschädigung chinesischer Autoren aufgerufen, deren Bücher der Konzern einem breiten Publikum kostenlos zugänglich machen will. "Mancherorts ist man der Ansicht, dass nach US-Recht der von Google vorgeschlagene Vergleich auch für die Werke chinesischer Autoren gilt. Wir wehren uns gegen diese Ansicht", sagte Zhang Hongbo, stellvertretender Chef des CWWCS, der Financial Times. Der Verband werde mit dem chinesischen Ableger von Google Gespräche über das Thema verlangen.

Mit dem Vorgehen des CWWCS wird einmal mehr die in den USA geschlossene Einigung angefochten, die für das aufkommende Geschäft mit elektronischen Büchern ein Gerüst schaffen soll. Autoren und Verleger in Europa haben sich bereits dagegen gewehrt. Daraufhin willigte Google ein, nur Bücher einzuscannen, die seit mehr als 150 Jahren in der Region veröffentlicht werden.

Google hat seit 2004 mehr als zehn Millionen Bücher aus US-Bibliotheken eingescannt und will diese Werke Nutzern online zur Verfügung stellen. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren und Verhandlungen erzielten Google und US-Autoren eine Einigung, die ein New Yorker Gericht noch genehmigen muss. Im Rahmen der vorgeschlagenen Einigung würde Google Autoren, deren Bücher ohne vorherige Genehmigung eingescannt wurden, eine Einmalzahlung leisten. Außerdem würde das Unternehmen den Schriftstellern 63 Prozent der Einnahmen aus dem künftigen Verkauf der elektronischen Bücher zahlen.

Screenshot von Google Buch   Screenshot von Google Buch

Die Unstimmigkeiten in China könnten für Google weitere Probleme auf einem Markt bedeuten, der so viele Internetnutzer hat wie kein anderes Land der Welt. Bei der Internetsuche liegt Google jedoch hinter dem chinesischen Suchmaschinenbetreiber Baidu abgeschlagen auf Platz zwei.

Rechteinhabern zufolge sind unter den von Google eingescannten chinesischen Büchern auch Werke aus der jüngsten Vergangenheit. Der chinesische Urheberrechtsverband teilte mit, er habe mehr als 17.000 Werke von 570 chinesischen Autoren in der elektronischen Bibliothek Googles gefunden.

Weiter teilte der Verband mit, er habe vom Justiziar Google Chinas eine E-Mail erhalten, in der dieser eine Videokonferenz mit Firmenvertretern zu dem Thema vorschlägt. Neben der Diskussion, wie eine Entschädigung festgesetzt werden könnte, verlangt die chinesische Seite überdies eine Entschuldigung von Google dafür, dass die Bücher angeblich ohne die vorherige Zustimmung der Autoren oder der Verleger eingescannt wurden.

"Wir hoffen auch, dass die chinesische Regierung der US-Regierung eine offizielle Botschaft zukommen lassen kann, in der unsere Ansicht zum Ausdruck kommt, dass Google hier Urheberrechte verletzt hat", sagte Zhang. "Hätte eine chinesische Website dies amerikanischen Rechteinhabern angetan, können Sie sich vorstellen, was die US-Regierung gesagt hätte."

Google teilte mit, die Einigung in den USA gelte nur für die USA, unterliege dem amerikanischen Gesetz, und nur Leser in den USA würden davon profitieren. "Natürlich hören wir uns alle Bedenken aufmerksam an und werden alles tun, uns ihrer anzunehmen", so Google.

  • Aus der FTD vom 27.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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