"We take care of our own", schmettert es aus dem Lautsprecher und die Menge fällt ein in den Refrain: We take care of our own - Wir sorgen für uns selbst. Es ist der Leitsong der Obama-Wahlkampagne, aber dieses eine Mal kommt die Musik nicht von der CD.
Da oben auf der Bühne steht der "Boss" leibhaftig: Bruce Springsteen. Für 3700 Fans ist er nach Parma, Ohio, gekommen, der Rockstar, zu dessen Konzerten normalerweise Zehntausende pilgern. In Jeans und blauem Hemd steht er da. Seine Band fehlt, aber um die Zuhörer in Fahrt zu bringen, genügen Springsteen eine Gitarre und die Mundharmonika. Und seine Stimme natürlich: Die gehört an diesem Tag wie auch am 6. November Barack Obama. "Wählen ist wichtig", ruft Springsteen den Fans zu. "Es liegt in der Hand jedes Einzelnen, das Amerika zu schaffen, das wir wollen."
Springsteens Auftritt in Ohio, dem zwischen Demokraten und Republikanern am heißesten umkämpften US-Bundesstaat, ist ein Coup für das Obama-Lager. Der Star wollte sich diesmal eigentlich aus der Schlacht heraushalten. Doch nun sei er hier, weil er "dankbar" und "besorgt" sei, ruft er. Dankbar für die Gesundheitsreform Obamas, dankbar auch dafür, dass GM durch die Hilfe des Staates weiterhin Autos baue. Und besorgt über die wachsende Ungleichheit zwischen Reich und Arm, um die Frauenrechte.
Dann singt Springsteen "Youngstown", das Lied, das den Abstieg einer Stadt beschreibt, die einst einen wirtschaftlichen Boom erlebt hatte. Im Saal wissen sie, wovon Springsteen spricht, nicht nur, weil Youngstown gleich um die Ecke liegt. Ohio mit seiner Autoindustrie hat die Rezession der vergangenen Jahre mit aller Härte getroffen. "Die Zukunft ist oft ein langer Marsch und wir sind mitten auf diesem Marsch", ruft der 63-Jährige den Zweiflern zu.
Gleich zwei alternde Rockstars hat die Partei an diesem Tag aufgehoben, um ihr Argument zu machen: Der andere heißt Bill Clinton . Der 66-jährige Ex-Präsident ist zu einem der wichtigsten Wahlhelfer für Obama geworden.
Wie Springsteen verkörpert er Glaubwürdigkeit in der Wählerschicht, die die Demokraten unbedingt brauchen: Die Arbeiterklasse, die Mittelschicht mit ihren Abstiegsängsten. Amerika stecke in der tiefsten wirtschaftlichen Krise seit der großen Depression, sagt Clinton. Es gehe aufwärts, aber "wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen". "Doch fragt Euch, wessen Politik es hinkriegen wird?", sagt er, und der Jubel ist kaum geringer als bei Springsteens Songs. Obama wird von der demokratischen Basis bewundert, Clinton wird geliebt. Weil er mit einer Menge plaudern kann, als säße man gemeinsam im Wohnzimmer. Und weil seine Regierung im Rückblick vielen Amerikanern als die Zeit galt, als der amerikanische Traum noch intakt war.
"This land is your land, this land is my land", singt Springsteen den alten Woody-Guthrie-Gassenhauer und die Menge stimmt ein. "From California, to the New York Island. From the redwood forest, to the gulf stream waters. This land was made for you and me". Bruce und Bill, sie haben es rocken lassen an diesem Tag.