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Merken   Drucken   04.10.2010, 15:26 Schriftgröße: AAA

"Basel III plus": Schweizer Banken entdecken Coco-Bonds

Contingent Convertibles sollen die eidgenössischen Geldhäuser stabilisieren. Befürworter glauben, dass die Cocos das Finanzsystem stabilisieren. Kritiker befürchten, dass sie bei der nächsten Krise die Abwärtsspirale beschleunigen. von Tobias Bayer  Bern
Die Schweiz setzt bei der Regulierung der Banken große Hoffnungen auf das neue Instrument der Pflichtwandelanleihen (Contingent Convertibles, Cocos). Dabei handelt es sich um Anleihen, die beim Unterschreiten einer bestimmten Eigenkapitalschwelle in Aktien umgewandelt werden. Dass soll im Krisenfall die Bank mit zusätzlichem Kapital versorgen.
Damit will die Schweiz die Kapitalpuffer ihrer Banken großzügiger ausstatten, als nach den "Basel III" genannten Regeln geplant. Credit Suisse  und UBS  gelten als besonders "systemrelevant", da ein Straucheln eines der beiden Großhäuser die gesamte Schweizer Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Mit den Cocos betreten die Eidgenossen Neuland. Bisher begaben nur die britische Bank Lloyds und die Rabobank aus den Niederlanden entsprechende Papiere. Das Coco-Konzept wird seit Monaten von den internationalen Aufsehern diskutiert. Dabei gibt es Vorbehalte. Kritiker befürchten, dass die Wandler im Krisenfall die Panik verschärfen, weil eine drohende Verwässerung der Altaktionäre den Börsenkurs drücken und eine Abwärtsspirale auslösen könnte.
Thomas Jordan, Vizepräsident der Schweizer Nationalbank, glaubt dennoch, dass sich Cocos durchsetzen werden: "Aus Sicht der Finanzstabilität haben Cocos den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Aktien nicht vom Gewinnpotenzial hoher Risiken profitieren. Cocos erfordern vielmehr eine Risikoprämie, welche mit dem Risiko einer Bank zunimmt. Auf diese Weise tragen Cocos zu einer Disziplinierung bei", sagte Jordan.
Cocos sind für die Banken teurer als gewöhnliche Anleihen. Allerdings hätten die Kreditinstitute steuerliche Anreize, solche Papiere zu begeben: "Die Zinszahlungen sind steuerlich absetzbar, man zieht sie vom Gewinn ab", sagte Jordan.
Anders sehe es auf Seiten der Investoren aus. Internationale Investoren müssten für Cocos, die in Schweiz begeben werden, eine Emissionsabgabe und Verrechnungssteuer bezahlen. "Da müssten die Steuergesetze geändert werden. Es wäre für uns hilfreich, wenn auch Papiere in der Schweiz begeben werden könnten", sagte Jordan.
Bei den Banken löst die Coco-Begeisterung Berns gemischte Gefühle aus. Während die Credit Suisse das Konzept befürwortet, ist die UBS skeptisch. Sie fürchtet hohe Kosten. SNB-Vize Jordan schließt nicht aus, dass notfalls das Konzept verändert werden muss: "Wenn Cocos sich nicht durchsetzen, müssen wir das Konzept anpassen. Dann könnten wir mehr Aktienkapital verlangen als bisher."
Die Notenbanken könnten bei der Verbreitung der Papiere mithelfen. Laut Jordan ist es denkbar, dass Cocos als Sicherheiten für Kredite bei der Zentralbank hinterlegt werden könnten. "Das müssen wir noch prüfen. Ich halte es aber für vorstellbar", sagte Jordan der FTD. Sollten die SNB und andere Zentralbanken das erlauben, hätten die Banken einen Anreiz, gegenseitig in die Pflichtwandelanleihen zu investieren.
Das würde die Nachfrage nach den Papieren erhöhen. Allerdings gibt es auch einen Nachteil: Die gegenseitige Verflechtung der Banken würde sich verstärken.
  • FTD.de, 04.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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