In den vergangenen Jahren haben ausländische Investoren reihenweise niederländische Unternehmen gekauft. Die nationale Fluggesellschaft KLM - nach Frankreich wegfusioniert. Das Pharmaunternehmen Organon, ein wichtiger Hersteller der "Pille" - in die USA verkauft. Der Verlags- und Informationskonzern VNU - von Finanzinvestoren erworben. Der Elektrogroßhändler Hagemeyer - zwischen den französischen Konkurrenten Rexel und Sonepar aufgeteilt. Und natürlich der Fall ABN Amro: Drei Konkurrenten schickten sich an, eines der Aushängeschilder der niederländischen Finanzbranche zu zerlegen. Zuletzt verkaufte die öffentliche Hand noch die beiden Stromversorger Essent und Nuon ins Ausland.
Politik und Wirtschaftsexperten haben dabei lange Zeit nur zugeschaut. Die Fokussierung allein auf Aktionärsinteressen ist seit den 90er-Jahren weltweit auf dem Vormarsch. In den Niederlanden stand dies unter der gängigen Maßgabe, ein "positives Standort- und Investitionsklima zu sichern". Niederländische Konzerne waren selbst international auf Expansionskurs, suchten für ihre eigenen Übernahmen internationale Kapitalgeber. Zunehmend zogen ausländische Manager in die Führungsetagen ein. Das heimische "Ons-kent-ons-netwerk", die niederländische Variante der untereinander gut verdrahteten "Deutschland AG", löste sich mehr und mehr auf. Schutzmechanismen gegen den Einfluss ausländischer Investoren wurden nach und nach abgebaut.
Hinzu kam ein politisches Klima, das vom marktliberalen Geist bestimmt war - auch im linken und linksliberalen Lager. Vor sechs Jahren bestärkte ein Kodex für gute Unternehmensführung die Prinzipien zur Öffnung für Investoren noch: der Code Tabaksblat, erstellt von einem Gremium, das der deutschen Cromme-Kommission ähnelte.
Die zunehmende Öffnung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Über drei Viertel der Aktien der Unternehmen im niederländischen Leitindex AEX sind in ausländischem Besitz, verglichen mit rund der Hälfte im deutschen Dax. Und Ankeraktionäre, die mit großen Anteilen Schutz gegen feindliche Übernahmen böten, sind kaum vorhanden. Vorstandsposten sind zunehmend mit ausländischen Managern besetzt.
Dies alles hat zu einem offeneren Markt geführt. Aber damit sind die Konzerne auch verwundbarer für Übernahmen geworden. In kaum einem kapitalistischen Land seien die vorhandenen Barrieren gegen Übernahmen so konsequent beseitigt worden wie in den Niederlanden, sagt Hans Schenk. Der Professor beschäftigt sich an der Universität Utrecht mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A). Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt seien die Niederlanden neben USA und Grossbritannien das Land mit der höchsten M&A-Aktivität.