FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Angst vor dem Ausverkauf der Niederlande
  FTD-Serie: Preisträger

Regelmäßig wird die Financial Times Deutschland für ihre herausragende Berichterstattung mit Journalistenpreisen ausgezeichnet. In dieser Serie dokumentieren wir die Beiträge der geehrten Redakteure:

Merken   Drucken   09.12.2009, 12:29 Schriftgröße: AAA

Blick zum Nachbarn: Angst vor dem Ausverkauf der Niederlande

Die Niederländer haben den Kapitalismus in reinster Form gezüchtet. Das kleine Land gehört zu den eifrigsten Akteuren bei Fusionen und Übernahmen. Ausländische Geldgeber waren stets willkommen. Doch die Stimmung kippt. Nicht wenige Niederländer fürchten um das nationale Erbe von Oranje. von Klaus Max Smolka 
Die Niederländer wollen jetzt ganz genau wissen, was da mit ihren Unternehmen passiert. Wirtschaftsbücher stehen mit einem Mal auf der Bestsellerliste. Von "De Prooi" ("Die Beute"), das die Übernahmeschlacht um die Bank ABN Amro beschreibt, geht dieser Tage das 200.000. Exemplar über den Ladentisch - in einem Land mit gut 16 Millionen Einwohnern. Auch "De Uitverkoop van Nederland" ("Der Ausverkauf der Niederlande") steht prominent in den Regalen.
In den vergangenen Jahren haben ausländische Investoren reihenweise niederländische Unternehmen gekauft. Die nationale Fluggesellschaft KLM - nach Frankreich wegfusioniert. Das Pharmaunternehmen Organon, ein wichtiger Hersteller der "Pille" - in die USA verkauft. Der Verlags- und Informationskonzern VNU - von Finanzinvestoren erworben. Der Elektrogroßhändler Hagemeyer - zwischen den französischen Konkurrenten Rexel und Sonepar aufgeteilt. Und natürlich der Fall ABN Amro: Drei Konkurrenten schickten sich an, eines der Aushängeschilder der niederländischen Finanzbranche zu zerlegen. Zuletzt verkaufte die öffentliche Hand noch die beiden Stromversorger Essent und Nuon ins Ausland.
Politik und Wirtschaftsexperten haben dabei lange Zeit nur zugeschaut. Die Fokussierung allein auf Aktionärsinteressen ist seit den 90er-Jahren weltweit auf dem Vormarsch. In den Niederlanden stand dies unter der gängigen Maßgabe, ein "positives Standort- und Investitionsklima zu sichern". Niederländische Konzerne waren selbst international auf Expansionskurs, suchten für ihre eigenen Übernahmen internationale Kapitalgeber. Zunehmend zogen ausländische Manager in die Führungsetagen ein. Das heimische "Ons-kent-ons-netwerk", die niederländische Variante der untereinander gut verdrahteten "Deutschland AG", löste sich mehr und mehr auf. Schutzmechanismen gegen den Einfluss ausländischer Investoren wurden nach und nach abgebaut.
Hinzu kam ein politisches Klima, das vom marktliberalen Geist bestimmt war - auch im linken und linksliberalen Lager. Vor sechs Jahren bestärkte ein Kodex für gute Unternehmensführung die Prinzipien zur Öffnung für Investoren noch: der Code Tabaksblat, erstellt von einem Gremium, das der deutschen Cromme-Kommission ähnelte.
Die zunehmende Öffnung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Über drei Viertel der Aktien der Unternehmen im niederländischen Leitindex AEX sind in ausländischem Besitz, verglichen mit rund der Hälfte im deutschen Dax. Und Ankeraktionäre, die mit großen Anteilen Schutz gegen feindliche Übernahmen böten, sind kaum vorhanden. Vorstandsposten sind zunehmend mit ausländischen Managern besetzt.
Dies alles hat zu einem offeneren Markt geführt. Aber damit sind die Konzerne auch verwundbarer für Übernahmen geworden. In kaum einem kapitalistischen Land seien die vorhandenen Barrieren gegen Übernahmen so konsequent beseitigt worden wie in den Niederlanden, sagt Hans Schenk. Der Professor beschäftigt sich an der Universität Utrecht mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A). Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt seien die Niederlanden neben USA und Grossbritannien das Land mit der höchsten M&A-Aktivität.

Teil 2: Negative Folgen außerhalb der Wirtschaft

  • Aus der FTD vom 09.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12454,52  [34.66 +0,28%
  Nasdaq Composite 2834,89  [-2.47 -0,09%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote