Die zweitgrößte Bank in Osteuropa braucht 750 Mio. Euro, um die neuen Kapitalanforderungen zu erfüllen - zwölfmal mehr als erwartet. Neben Kreditabsicherungen belasten ungarische Privatkunden, die sich verzockt haben, die Bank.
von Frank Bremser
Die Erste Bank benötigt knapp 750 Mio. Euro zusätzliches Kapital, um die härteren Vorgaben der Bankenregulierer zu erfüllen. Diese Zahl ergebe sich auf Basis der Neunmonatszahlen, sagte Firmenchef Andreas Treichl am Freitag in einer Analystenkonferenz. Zuvor hatte die Bank den Bedarf auf nur 59 Mio. Euro beziffert - allerdings auf Basis der Halbjahreszahlen. Der gut zwölfmal höhere Betrag entsteht durch Effekte, die der Bank auch das Ergebnis zum dritten Quartal verhagelt haben: Hohe Bewertungsverluste in Ungarn und Rumänien und eine Neubewertung des Portfolios an Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS).
Gerade diese Abschreibung sorgt für großen Ärger - zumal die Bank endgültig aus dem CDS-Geschäft aussteigt. Das Institut hat nach eigenen Angaben das Engagementbei Kreditversicherungen von Ende September bis Donnerstag dieser Woche von 5,2 Mrd. Euro auf 0,3 Mrd. Euro verringert. In den kommenden Tagen solle der Bestand komplett abgebaut werden.
Die Bank begründete den Schritt zum einen mit einem Brief der IASB. Das International Accounting Standard Board gibt weltweit Regelungen zur Rechnungslegung vor. Diesem folgend hat die Bank in der Quartalsbilanz die Bewertung der "finanziellen Massenvernichtungswaffen", wie Warren Buffet alle Derivate nennt, auf Marktwerte umgestellt. Vor dem Ablauf des dritten Quartals standen diese Papiere zu Anschaffungskosten in der Bilanz. Die Erste Bank bewertete die Papiere bislang als Kreditgarantien und nicht als Derivate, wie die IASB es vorschlägt.
Finanzaufsicht ermittelt
Mit dieser Klassifizierung steht die Erste Bank sowieso weitgehend alleine in der Bankwelt. Nach einer Studie von Goldman Sachs sehen alle wichtigen Banken in Europa CDS als Derivate an und bewerten sie dementsprechend. Ob die Sicht der Ersten korrekt ist, prüft die österreichische Finanzaufsicht FMA. Zudem wolle die Bank die Positionen abbauen, "um die Volatilität in der Erfolgsrechnung zu minimieren". Auch gehörten CDS nicht zum Kerngeschäft.
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