Es ist gerade einmal zwei Monate her, dass die Deutsche Bank ihren langjährigen Vorstandschef verabschiedet hat. Es gab Dankesworte für den "lieben Joe", der wie ein Popstar gefeiert wurde. Die Aktionäre huldigten ihm. Und Josef Ackermann ließ voller Genugtuung den Beifall auf sich niederprasseln.
Lange hat die Euphorie nicht angehalten. Der "liebe Joe" macht Ärger, indem er seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Verlierer abkanzelt. Im kleinen Kreis zwar, aber doch nicht so privat, dass es der Öffentlichkeit verborgen geblieben wäre. Hätte er das gewollt, hätte er es mit Leichtigkeit geschafft. Aber Ackermann scheint sich im Ruhestand treu zu bleiben. Geradeheraus, ehrlich - so ist der Schweizer, auch jetzt. Allerdings stellt sich jetzt die Frage, ob er in dieser Situation nicht besser geschwiegen hätte.
Erstens geböte es der Anstand, den alten Arbeitgeber, der einem mit üppiger Pension ein angenehmes Auskommen sichert, nicht zu beschädigen. Und zweitens, nicht seine Nachfolger herunterzuputzen, noch ehe sie ihre (Un-)Fähigkeiten richtig unter Beweis stellen konnten - zumal Jain und Fitschen viele Probleme angehen müssen, die der Vorgänger ihnen hinterlassen hat.
Dass Ackermann auf beides keine Rücksicht nimmt, sieht wie Nachtreten aus. Schließlich hatte er Jain und Fitschen mit aller Macht verhindern wollen, scheiterte aber am Aufsichtsrat. Und zudem hat ihm die Deutsche Bank gegen Ende seiner Karriere deutlich gemacht, dass sie keinen großen Wert mehr legt auf seine Dienste.
Allerdings kann Ackermann durchaus für sich reklamieren, dass er inzwischen Privatmann ist und daher ja sagen kann, was er denkt. Zumal er damit seiner Linie treu bleibt und sich nicht verbiegen muss. Wird nicht immer wieder öffentlich bedauert, dass es von diesem Schlage viel zu wenig Persönlichkeiten gibt?
Unabhängig davon jedoch ist die pikante Angelegenheit ein spätes Spiegelbild des unwürdigen Nachfolgedebakels. Ackermanns Einlassung ist der Preis, den die Deutsche Bank bezahlt, weil sie ihn ziehen ließ, ohne ihm einen Aufsichtsratsposten anzutragen. Aber das hätte die Regeln der Corporate Governance verletzt.
So haben alle den Schaden, auch Ackermann. Er erscheint nun ein bisschen kleiner und weniger glorreich als Ende Mai.
in eigener Sache, was der gute Joe da macht.
Den aktuellen Niedergang der Bank an Markt und Größe werden die Nachfolger bestrebt sein, dem alten Joe anzuhängen, der schließlich für alles erst mal noch die Verantwortung zugewiesen bekommen kann. Das weiß er natürlich und hält mit seiner Einschätzung der Qualitäten der ungewollten Neuen nicht hinterm Berg.
So what?