So hat sich Josef Ackermann seine letzte Quartalsbilanz sicher nicht erträumt: Wenn die Auguren Recht behalten, wird die Deutsche Bank am Donnerstag einen Gewinneinbruch um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr melden. Diese Analysten-Prognose könnte sich sogar noch als zu optimistisch erweisen. Denn nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg will die Deutsche Bank ihre Beteiligung am Generikahersteller Actavis abstoßen und dabei einen Verlust in Kauf nehmen, der in Ackermanns letzter Quartalsbilanz verbucht würde.
Ein Makel, mit dem der 64-Jährige immerhin ein Versprechen an seine Nachfolger einlösen würde: Ackermann hat angekündigt, Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein bestelltes Haus zu hinterlassen. Schon im vergangenen Jahr legte er eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten mit Vergleichen bei. Der Vorschlag des Schweizers, auch den Streit mit den Erben des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch durch Zahlung von 800 Mio. Euro ad acta zu legen, fand im Vorstand allerdings keine Mehrheit.
Es war nicht der einzige Missklang bei der Machtübergabe an Jain und Fitschen, die bereits seit einigen Monaten läuft. Dass sie die Bank neu aufstellen wollen, demonstrierten der oberste Investmentbanker und der Noch-Deutschlandchef mit dem Umbau des Vorstands: Die Ackermann-Vertrauten Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti müssen gehen.
Vor allem der Rausschmiss Bänzigers, der die Deutsche Bank als Risikovorstand durch die Krise gesteuert hatte, sorgte für Aufsehen - zumal dem neuen Führungsduo dabei eine peinliche Panne unterlief: Der von Jain und Fitschen zum künftigen Risikochef auserkorene William Broeksmit fiel bei der Finanzaufsicht Bafin durch. An seiner Stelle rückt nun Bänzigers bisheriger Stellvertreter Stuart Lewis in den Vorstand auf.
Nur wenige Tage später sagte Ackermann ein seit Monaten geplantes Führungstreffen ab. Begründung: Die Konferenz solle erst dann stattfinden, "wenn das neue Führungsteam mit der diesjährigen Hauptversammlung Ende Mai seine Funktion übernommen hat und in der Lage ist, die Strategie und Struktur der Bank hinreichend detailliert darzustellen". Da schwang der Vorwurf mit, Jain und Fitschen würden mit dem radikalen Umbau des Vorstands einen geordneten Übergang verhindern.
Dem gebürtigen Inder Jain hatte Ackermann schon auf der Bilanzpressekonferenz im Januar einen Seitenhieb verpasst: Der scheidende Konzernchef hob hervor, dass ausschließlich das von seinem designierten Nachfolger geführte Kapitalmarktgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. "Alle anderen haben geliefert."
Insgesamt entsteht der Eindruck, Ackermann könne seinen Abschied nach zehn Jahren an der Spitze der größten deutschen Bank nur schwer verwinden - zumal auch seiner Bewerbung um einen Aufsichtsratsposten kein Erfolg beschieden war. Offiziell begründete der Schweizer den Rückzug seiner Kandidatur damit, dass er einfach keine Zeit habe, um bei Aktionären für seine Wahl zu werben. Übersetzt heißt das: Die für einen direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat notwendige Zustimmung von mindestens 25 Prozent der Anteilseigner war Ackermann alles andere als sicher.
Wie groß nach dem ganzen Gezerre der Reputationsschaden für die Bank ist, wurde Anfang dieser Woche deutlich: Der Londoner Investorenberater Hermes will dem scheidenden Aufsichtsrat unter Clemens Börsig die Entlastung verweigern. Eine Mehrheit für diesen Antrag auf der Hauptversammlung Ende Mai wäre eine schwere Blamage für das Geldhaus - und würde Ackermann endgültig den Abgang vermiesen.