Eigenkapitalanforderungen:Zwei deutsche Banken weltweit systemrelevant
Die G20-Staaten haben eine Liste der 29 weltweit wichtigsten Banken veröffentlicht. Diese müssen höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen als andere Institute. Die Geldhäuser im Überblick.
von Frank Bremser
29 internationale Großbanken müssen sich auf höhere Kapitalanforderungen einstellen. Auf der Liste, die auf dem G20-Treffen in Cannes vorgelegt wurde, stehen aus Deutschland die Deutsche Bank und die Commerzbank. Eine Liste über Versicherer und Investmentfonds soll noch folgen.
Infografik: Diese Banken brauchen mehr Eigenkapital
Mit den neuen Kapitalanforderungen soll die sogenannte "Too-Big-to-Fail"-Problematik angegangen werden. Dabei geht es darum wie diese "systemrelevanten Finanzinstitute" besser durch Krisensituationen kommen und im Notfall restrukturiert oder abgewickelt werden könne, ohne dass dies zu Verwerfungen im weltweiten Finanzsystem führt. Kriterien sind Größe, Vernetzung, Mangel an Ersetzbarkeit, Internationalität und Komplexität.
Die Banken auf der Liste müssen zusätzlich zu den gemäß der durch Basel III angestrebten Kernkapitalquote von sechs Prozent noch mehr Geld beiseite legen. Je nach Einstufung liegt der Aufschlag bei ein bis 2,5 Prozentpunkten. Eine weitere Stufe sieht sogar einen zusätzlichen Kapitalpuffer von 3,5 Prozentpunkten vor. Die Anforderungen dafür erfüllt derzeit aber kein Institut. In einer Mitteilung der deutschen Bundesregierung heißt es dazu: "Das soll ein negativer Anreiz sein, die Systemrelevanz nicht weiter zu vergrößern."
Vor allem die Bankenbranche selbst hat so ihre Probleme mit den Regeln. Denn höhere Eigenkapitalquoten verteuern das Geschäft. Der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, sagte unlängst, der Zuschlag sei anti-amerikanisch. Die US-Regierung solle überlegen, ob sie Basel III überhaupt einführe.
Andererseits bringt die Liste für die Häuser auch Vorteile: Denn diese Banken gelten automatische als sicherer als andere Banken - was wiederum ihre Refinanzierungskosten senken könnte. Die Regeln sollen ab 2016 schrittweise greifen und 2019 vollständig wirksam werden. Bis Ende 2012 sollen die Häuser einen Plan aufstellen, wie sie in einer existenzbedrohenden Krise ohne Schaden für das gesamte Finanzsystem wieder auf die Beine kommen oder abgewickelt werden können.
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