Der Grund: Insidern zufolge hat Europas Bankenaufsicht EBA den Stresstest vom Sommer um die Daten des dritten Quartals aufgefrischt. In diesem Zeitraum, der die Monate Juli, August und September umfasst, war die Staatsschuldenkrise in Europa eskaliert. Die Banken verkauften Staatsanleihen in zweistelliger Milliardenhöhe, nahmen entsprechende Wertberichtigungen vor und fuhren Verluste ein, die wiederum ihr Eigenkapital schmälern.
Hinzu kommt, dass die deutschen Banken offenbar weniger Möglichkeiten bekommen sollen, die Kursgewinne der von ihnen gehaltenen Bundesanleihen mit den Verlusten von Papieren der Peripherieländer zu verrechnen. "Da gibt es dauernd Änderungen an den Arbeitsvorgaben", konstatierte ein Banker.
Und: In dem ursprünglichen Stresstest hat die Aufsicht Insidern zufolge nicht vollumfänglich berücksichtigt, dass Banken ab Januar viel mehr Kapital in ihrem Handelsbuch vorhalten müssten. Dort parken sie Wertpapiere, die für den schnellen Weiterverkauf vorgesehen sind. Das Gegenstück ist das Bankbuch, wo Papiere meist bis zur Endfälligkeit gehalten werden, also bis zu dem Zeitpunkt, an dem zum Beispiel Anleihen zurückgezahlt werden.
"In der ersten Runde der Blitzumfrage fühlte sich die EBA gezwungen, schnell Zahlen zusammenzukriegen. Sie musste viele Annahmen treffen, alles ging ein bisschen durcheinander", sagte ein Aufseher. "In der Zwischenzeit hatte sie Gelegenheit, die Banken individueller abzufragen." Ihre endgültigen Zahlen will die Bankenaufsicht nächste oder übernächste Woche veröffentlichen - und nicht diesen Freitag, wie es ursprünglich geplant war.