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Merken   Drucken   19.06.2012, 13:19 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Spanien macht Investoren erneut Angst

Die kurzfristigen Refinanzierungskosten für Spanien steigen in schmerzhafte Höhen - auf über fünf Prozent. Investoren reagieren verschreckt, weil sie noch länger darüber im Unklaren gelassen werden, wie viel Geld die Banken des Landes tatsächlich brauchen.
von Stuttgart

Spaniens Refinanzierungskosten bleiben auf Rekordniveau. Die Renditen für Papiere mit zehn Jahren Restlaufzeit stieg bis auf 7,194 Prozent. Bei Anleihen bewegen sich Renditen und Kurse in entgegengesetzter Richtung, so dass steigende Verzinsungen auf Verkäufe der Papiere durch Investoren hinweisen. Am Montag waren die zehnjährigen Renditen sogar auf ein Rekordniveau von 7,28 Prozent geklettert.

Für Verunsicherung bei Anlegern sorgte unter anderem, dass der zweite und detailliertere Prüfbericht über die Bilanzen der spanischen Banken bis September verschoben werden soll. Das verlautete aus Kreisen der Bank von Spanien. Ursprünglich sollte dieser Bericht Ende Juli fertig gestellt sein - und Auskunft darüber erteilen, wie groß der Kapitalbedarf der angeschlagenen spanischen Banken wird. Bis zu 100 Mrd. Euro sollen aus den Krisenfonds EFSF oder ESM fließen, damit der spanische Finanzsektor saniert werden kann. Wieviel Geld wirklich nötig ist, diese Frage treibt die Anleger um.

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Bei der ersten Auktion nach Bekanntgabe des europäischen Rettungspakets für spanische Banken hat das Land am Dienstag neue Geldmarktpapiere im gewünschten Volumen von rund 3 Mrd. Euro bei Anlegern untergebracht. Der Preis war allerdings hoch: die Rendite für die Papiere mit zwölf Monaten Laufzeit kletterte auf 5,074 Prozent, verglichen mit 2,985 Prozent bei der letzten Versteigerung solcher Titel im Mai. Die Schatzwechsel mit 18 Monaten Laufzeit kamen mit einer Durchschnittsrendite von 5,107 Prozent auf den Markt gegenüber 3,302 Prozent im Mai. Die Emissionen waren angesichts der höheren Renditen überzeichnet, die Nachfrage für zwölfmonatigen Wechsel übertraf das Angebot um das 2,16-Fache, bei den 18-monatigen Titeln sogar um das 4,4-Fache.

Zu den Gründen für die Verschiebung des Lageberichts der spanischen Banken verlautete aus einer Quelle, die nicht genannt werden wollte: "Der Grund für die Verschiebung ist, dass weitere Informationen zu den Kreditbüchern auf individueller Basis eingeholt werden. Das verzögert den Prozess bis September". Die Untersuchung der Berater von Roland Berger und Oliver Wyman soll feststellen, wieviel zusätzliches Kapital die spanischen Banken benötigen. Sie durchleuchten derzeit die Immobilienportfolios der Institute. Der erste Teil der Prüfung sollte bis Donnerstag vorliegen.

Viele Experten gehen davon aus, dass Spanien angesichts der hohen Refinanzierungskosten auf kurz oder lang nichts anderes übrig bleibt, als unter den Euro -Rettungsschirm zu schlüpfen. "Der Anstieg der Renditen zeigt eindeutig, dass den politischen Führern die Zeit davonläuft, um eine Lösung für die Krise der Euro-Zone zu finden", sagte Michiyoshi Kato, Senior Vice President für den Devisenhandel bei der Mizuho Corporate Bank in Tokio. Solange wir keine festen Versprechen von den G-20-Staaten sehen, wird sich die Lage verschlechtern und die Renditen werden nach oben gehen", sagte Niels From, Chef-Analyst der Nordea Bank in Kopenhagen, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Euro-Rettungsschirm EFSF wiederum hat sich am Dienstag frisches Geld für ein halbes Jahr zu sehr günstigen Konditionen beschafft: Für Papiere mit einer Laufzeit von 182 Tagen zahlte der EFSF eine durchschnittliche Rendite von rund 0,14 Prozent, teilte die Bundesbank in Frankfurt mit. Der EFSF tritt regelmäßig am Markt in Erscheinung, um sich frische Mittel für die Rettungspakete für Euro-Länder zu besorgen, die unter den Rettungsschirm geschlüpft sind. Das sind Griechenland, Irland und Portugal. Bei den angekündigten Bankenhilfen für Spanien ist noch nicht geklärt, ob die Gelder aus dem EFSF oder aus dem dauerhaften Krisenfonds ESM fließen werden.

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  • FTD.de, 19.06.2012
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