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Merken   Drucken   18.01.2012, 21:54 Schriftgröße: AAA

Finanzkrise: Regulierer lassen Commerzbank auflaufen

Europäische Regulierungsbeamte glauben nicht, dass die Frankfurter ihr Kapital ausreichend stärken können. Erneute Staatshilfen würden "fast unausweichlich" erscheinen. von Karsten Röbisch  , Reinhard Hönighaus  Frankfurt und Mark Schrörs  Brüssel
Die europäischen Regulierer bezweifeln, dass die Commerzbank  aus eigener Kraft ihr Kapital ausreichend stärken kann. Es erscheine "fast unausweichlich", dass Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut erneut auf Staatshilfen zurückgreifen müsse, erfuhr die Financial Times aus Regulierungskreisen. Auch die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena werde bis zur Frist am Donnerstag keinen glaubwürdigen Plan vorlegen. "Das sind die beiden großen Problemfälle", zitiert die Zeitung einen Regulierungsbeamten.
Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Anfang der Woche einen Plan präsentiert, wie er das von der EU-Bankenaufsicht EBA beim Stresstest im Dezember festgestellte Kapitalloch von 5,3 Mrd. Euro ohne Staatshilfe stopfen will - vor allem durch eine schrumpfende Bilanz, einbehaltene Gewinne und die Härtung einer stillen Einlage der Allianz. Schäuble nahm den Plan wohlwollend zur Kenntnis, auch wenn Analysten ihn für sehr ambitioniert halten.
Die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin lehnten auf Nachfrage der FTD eine Stellungnahme ab. Schon Mitte 2011 hatte der damalige Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, die europäische Behörde für ihre Stresstestmethodik heftig kritisiert: Er warf ihr fehlende Legitimation und überstrenge Eigenkapitalauflagen vor. Auch im Umgang mit den Stresstest-Versagern gerieten die Parteien aneinander. Während die BaFin keine zu harten Sanktionen verhängen wollte, bestand EBA-Chef Andrea Enria auf strengen Auflagen.
Die EBA hatte im Vorjahr getestet, ob Europas Banken ausreichend kapitalisiert sind, um Verluste aus Staatsanleihen zu verkraften. Unter Berücksichtigung der Kurse von Ende September verlangt die EBA eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent, die die Institute bis Mitte dieses Jahres erreichen müssen. Bis Donnerstag müssen die Banken den nationalen Aufsehern ihre Pläne vorlegen.
Kursinformationen und Charts
  Commerzbank 1,928 EUR  [-0.142 -6,86%
Die deutsche Aufsicht BaFin prüft und fordert notfalls Nachbesserungen, ehe sie die Papiere spätestens am 27. Januar an die EBA übergibt. Die Londoner Behörde bekommt somit erst nach den nationalen Aufsehern die Gelegenheit, die geplanten Maßnahmen der Banken zu bewerten.
Die Nachricht, dass die Commerzbank ihre Tochter Eurohypo integrieren und nicht mehr in eine staatliche Abwicklungsbank abschieben will, könnte die Regulierer alarmiert haben. Denn mit der Ausgliederung des verlustreichen Staats- und Immobilienfinanzierers hätte das Institut auf einen Schlag rund 4,8 Mrd. Euro Kernkapital freisetzen können. Commerzbank-Chef Blessing will aber nicht noch einmal den Rettungsfonds Soffin anzapfen, der die Bank während der Finanzkrise mit mehr als 18 Mrd. Euro retten musste. Bis heute hält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie.
Das Sorgenkind Eurohypo schreckt auch die Bonitätswächter auf. Die Ratingagentur Moody's kündigte am Mittwoch an, die Bonitätsnote der Commerzbank von "A2" zu überprüfen. Der Eurohypo trauen die Auguren kein eigenständiges Überleben mehr zu. Auch muss EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia dem Plan zur Eurohypo zustimmen. Wenn die Commerzbank sie nicht bis 2014 verkauft, ist eine formale Änderungsentscheidung fällig. Gespräche laufen bereits.

In einer früheren Fassung meldeten wir, die EU-Bankenaufsicht EBA glaube nicht daran, dass die Commerzbank ohne weitere staatliche Hilfen ein Kapitalloch in Höhe von 5,3 Mrd. Euro werde stopfen können. Dies hätten hochrangige EBA-Beamte der Financial Times gesagt. Diese Aussage ist nicht zutreffend. In dem ursprünglichen Artikel der Financial Times waren als Quelle für diese Information "europäische Regulierer" angegeben, keine Mitarbeiter der EBA, weder hochrangige noch sonstige. Entsprechend war die Einschätzung auch nicht die der EBA. Wir bitten den Übersetzungsfehler zu entschuldigen.
09:22:00 Kursinformationen und Charts
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Commerzbank 1,928 EUR   -6,86%  -0.142
  • Aus der FTD vom 19.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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