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Merken   Drucken   30.10.2012, 16:13 Schriftgröße: AAA

Großbritannien: Chinas Banken kehren London den Rücken

Die Regeln am britischen Finanzplatz sind den Geldhäusern der Volksrepublik mittlerweile zu restriktiv. Sie weichen daher auf das laxere Luxemburg aus.
von Frankfurt
Blick auf die Themse und das Bankenviertel Canary Wharf in London   Blick auf die Themse und das Bankenviertel Canary Wharf in London

Chinas große staatlich kontrollierte Banken ziehen signifikante Teile ihres Europa-Geschäfts aus London ab. Um dort geltende strikte Regeln zu vermeiden, wickeln sie nun den Großteil ihrer Aktivitäten in Europa in Luxemburg ab. Das Land ist für seine lockere Regulierung bekannt.

Das berichtet die Financial Times. Sie zitiert aus einem Brief, den die in Großbritannien vertretenen Auslandsbanken auf Betreiben der chinesischen Kreditinstitute an das britische Finanzministerium geschrieben haben. Darin werden insbesondere sehr anspruchsvolle Liquiditätsvorgaben bemängelt. "Es fällt ihnen zunehmend schwer, im Rahmen des derzeitigen regulatorischen Umfelds in Großbritannien aktiv zu sein", heißt es demnach in dem Brief mit Blick auf die chinesischen Geldhäuser.

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Der Abzug dieser Banken aus London ist ein schwerer Rückschlag für die britische Regierung. Sie hatte gehofft, dass der Finanzplatz ein wichtiges Zentrum für das Europa-Geschäft der chinesischen Institute werden könnte. Großbritannien stemmt sich ohnehin gegen einen Bedeutungsverlust der Londoner City, der unter anderem aus neuen EU-Regeln erwachsen könnte. Die großen Geldhäuser der Volksrepublik sind seit dem Beginn der Finanzkrise alle in London vertreten. Unter ihnen sind die Industrial and Commercial Bank of China  (ICBC), China Construction Bank  (CCB) und Agricultural Bank of China . Die Banken gehören gemessen an der Marktkapitalisierung zu den größten der Welt.

Aus dem Brief an das britische Finanzministerium geht zudem hervor, dass eine chinesische Bank bereits dreimal so viel Geschäft über Luxemburg abwickelt wie über London. Die Geldhäuser aus der Volksrepublik stören sich insbesondere daran, dass es die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) ihnen nicht erlaubt, in der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs Niederlassungen einzurichten. Der Grund liegt in dem mangelnden Zugriff, den die FSA auf solche Niederlassungen hat, da diese als Teile ausländischer Banken gelten. Die Behörde ist seit 2008 deutlich restriktiver, was die Eröffnung neuer Niederlassungen angeht, besonders in Fällen, in denen sie mit den regulatorischen Standards, Transparenz- oder Eigenkapitalvorgaben des jeweiligen Heimatlands einer Bank nicht zufrieden ist.

Bei Tochtergesellschaften ausländischer Geldhäuser hingegen kann die FSA viel besser durchgreifen, diese werden genauso reguliert wie heimische Institute. Es gelten also strikte Standards, was Kapital- und Liquiditätspuffer sowie Transparenzregeln angeht. Wang Hongzhang, Verwaltungsratschef der CCB, hatte der Financial Times gegenüber jedoch kürzlich beklagt, es sei schwierig, die in London ansässige Tochtergesellschaft für die Expansion in Europa zu nutzen. Er wolle daher parallel eine Niederlassung aufsetzen.

Laut dem Brief des Verbands der Auslandsbanken in Großbritannien wollen vier große chinesische Geldhäuser - ICBC, CCB, Bank of Communications und Agricultural Bank of China - in London Niederlassungen eröffnen, dürfen aber nur Tochtergesellschaften einrichten. In Luxemburg hingegen hätten Bank of China und ICBC beides gründen dürfen.

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