Trotz der Erholung an den Finanzmärkten im ersten Quartal verliert die britische Man Group weiter an Rückhalt bei ihren Investoren. Die Hedge-Fonds-Gesellschaft, die weltweit größte ihrer Art mit einer Börsennotiz, meldete für das erste Vierteljahr, dass ihre Kunden netto rund 1 Mrd. Dollar abgezogen haben.
Insgesamt seien sogar 4,1 Mrd. Dollar abgeflossen, dem gegenüber standen Zuflüsse von 3,1 Mrd. Dollar. Bereits im vierten Quartal 2011 hatten die Investoren brutto sogar 5,6 Mrd. Dollar von der Man Group zurückgeholt, im dritten Quartal waren netto 2,6 Mrd. Dollar. Entsprechend zerknirscht gab sich Vorstandschef Peter Clarke: "Nach einem starken Start ins neue Jahr sind die Märkte im März wieder unter Druck geraten. Wir haben zwar die Bruttoabflüsse unserer Kunden zwar verringern können, aber die Stimmung der Investoren bleibt fragil."
Dass das verwaltete Vermögen insgesamt überhaupt von 58,4 Mrd auf 59 Mrd. Dollar anstieg, ist einzig der Börsenerholung im Januar und Februar zu verdanken, die den Wert der Positionen, die die Man Group hält, gesteigert hat.
Die Kunden des Hedge-Fonds treibt vor allem die schwache Entwicklung seines Flagschifffonds AHL um, der computergesteuert einem Handelssystem folgt - eine Strategie, die hochgradig umstritten ist und von vielen Fachleuten für die enormen Ausschläge an den weltweiten Börsen verantwortlich gemacht wird. Er hatte der Man Group im Katastrophenjahr 2008 zwar geholfen, 33 Prozent Rendite zu erwirtschaften. Seither aber läuft es schlecht für AHL: Allein hier zogen Kunden 700 Mio. Dollar ab, inzwischen verwaltet der Fonds mit 19,5 Mrd. Dollar 14 Prozent weniger Vermögen als zu seinen Glanzzeiten. 2011 hatte AHL sechs Prozent eingebüßt, in diesem Jahr sind es bereits weitere 2,1 Prozent.
Besser läuft es dagegen bei der Tochter GLG , die die Man Group 2010 seinerzeit für rund 1,6 Mrd. Dollar gekauft hatte. Immerhin Dreiviertel aller GLG-Fonds konnten ihren Wert um fünf Prozent oder mehr steigern. Der Wert ist insofern wichtig macht, als dass viele Fonds ihren Kunden Extragebühren berechnen, sofern sie eine bestimmte Rendite schaffen - in der Branche High-Water-Mark genannt.
Richtig düster wird es allerdings beim Blick auf die Aktie der Man Group: Seit 2010, dem Jahr der Übernahme des Konkurrenten GLG, hat sie Zweidrittel ihres Wertes verloren. Am Dienstag büßte sie um die Mittagszeit im Londoner Handel weitere 6,2 Prozent ein.
Kein Wunder also, dass viele Beobachter Clarke unter Druck sehen. Doch der Man-Group-Chef macht auf Optimismus: Das Unternehmen sei auf bestem Weg, die im Januar versprochenen Einsparungen von 75 Mio. Dollar zu schaffen.
Analystin Sarah Ing von Singer Capital hat gleichwohl nicht viel Hoffnung. Der Financial Times sagte sie: "Die Erwartungen an die Man Group sind schon ziemlich gesunken, und Clarkes Aussagen spiegeln das nur wider." Aber ein Rausschmiss des Chefs können nur wenig an den Schwierigkeiten ändern, vor denen die Man Group steht. "Ich sehe nicht, was ein Wechsel im Vorstand ausrichten könnte, es sei denn, es geht darum, die Man Group zu verkaufen."
Davon freilich will Clarke nichts wissen. Mit Blick auf Übernahmespekulationen sagte er Reportern: "Wir denken nicht, dass wir einen großen Bruder brauchen, um unsere Ziele zu erreichen."