Kirch-Vergleich:Deutsche Bank kämpft bis zum Schluss
Leitartikel
Mit einem teuren, sehr teuren Vergleich hätte die Kontroverse Kirch gegen Deutsche Bank zu Ende gehen können. Doch das Geldinstitut hat allen Grund, die Sache vor Gericht auszufechten.
Es wäre der teuerste lockere Spruch aller Zeiten. Wenn, ja wenn die Deutsche Bank dem 800-Mio.-Euro-Vergleich mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zustimmen würde, um so das Interview ein für alle Mal vergessen zu machen, in dem ihr früherer Vorstand Rolf Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs anzweifelte. Aber der Vergleich droht zu platzen: Die Deutsche Bank wird wahrscheinlich einen Rückzieher machen. Das wäre jedoch weder hasenfüßig noch unehrenhaft.
Der ehemalige Chef der Deutschen Bank Rolf Breuer
Nach zehn Jahren Prozessstreitigkeiten ohne Ergebnis musste der Versuch unternommen werden, außerhalb des Gerichtssaals einen Rechtsfrieden zu finden. Die Deutsche Bank hat ausgelotet, um welchen Preis die Kirch-Erben endlich Ruhe geben könnten. Heraus kam eine Entschädigungssumme, die das Ergebnis des Geldinstituts massiv belasten würde.
Der Unterhändler der Deutschen Bank hat der Kirch-Seite zwar in Aussicht gestellt, dass die Führungsspitze dem Deal zustimmen könnte. Aber geschlossen ist ein Vergleich eben erst mit rechtsgültiger Zustimmung. Und vorher hat sich der Vorstand eines Besseren besonnen. Die Mehrheit lehnt den kostspieligen Friedenspakt offenbar ab. Alles andere wäre auch verantwortungslos, insbesondere den Aktionären gegenüber. Schließlich müssen sie die Rechnung begleichen.
Selbst nach zehnjähriger Klageflut gibt es bisher keine konkreten Anhaltspunkte, dass Breuer Kirch in den Ruin geredet hat. Da erscheint das finanzielle Risiko der laufenden und womöglich künftigen Prozesse für die Bank verkraftbar. Zumal nun auch ein von einem Gericht bestelltes Gutachten nahelegt, dass Kirch schon so gut wie pleite war, als Breuer plauderte. Ein Vergleich auf dieser Basis wäre fatal. Könnte er doch den Eindruck erwecken, als müsse man gegen das Bankhaus nur klagen und genügend Druck aufbauen, um mit Geld abgefunden zu werden. Für die Deutsche Bank ein Grund mehr, es vor Gericht darauf ankommen zu lassen - und zu kämpfen bis zum Schluss.
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